Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)|270 - 100 Jahre Michel Foucault: Der Wahnsinn der Freiheit
Vertiefende Gespräche mit herausragenden Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft und Politik. Die Sternstunde Philosophie vermittelt lebensnahe Denkanstösse zu zentralen Fragen unserer Zeit.
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Zusammenfassung der Episode
In dieser Episode diskutiert der Kulturhistoriker Philipp Felsch die paradoxe Persönlichkeit und den einzigartigen Stil des Philosophen Michel Foucault. Er erläutert, wie Foucault wissenschaftliche historische Forschung mit existenzieller Transformation verband und seine Werke die Entstehung der modernen Vernunft durch den Ausschluss des Wahnsinns thematisieren.
Die Diskussion beleuchtet zudem Foucaults Identität als Provokateur, der das autonome Subjekt als historisches Konstrukt dekonstruiert. Es wird erörtert, wie seine Theorien zu Macht und Sexualität heutige Identitätsdiskurse beeinflussen und wie sein subtiler Aktivismus auf der Infragestellung von Denkkategorien basiert.
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Highlights
Foucault hat der Philosophie nicht nur ein paar neue Ideen hinzugefügt, sondern er hat eine neue Art, einen neuen Stil des Philosophierens erfunden.
00:00:47 · Der Experte beschreibt die fundamentale Neuerung, die Foucault in der philosophischen Methodik bewirkt hat.
Ich bin ein Sprengmeister. Ich setze mein Dynamit an den Fundamenten der Kultur an und will sie sprengen.
00:16:39 · Dieses Zitat illustriert Foucaults radikale und provokative Herangehensweise an kulturelle Strukturen.
Wir wurden dazu gemacht, etwas zu wollen, aber wir sind gar nicht autonom. Wir sind zugerichtet, wir sind geradezu dressierte Tiere.
00:18:13 · Hier wird Foucaults Kritik an der Vorstellung eines selbstbestimmten Subjekts und die Idee der gesellschaftlichen Formung des Menschen deutlich.
Möglicherweise ist die Macht etwas, was positive Wirkungen hervorbringt und was vor allem die ihr unterworfene Anreize, Dinge zu tun, die sie als Befreiung empfinden, die aber im Grunde eine Form des Gehorsams sind.
00:45:40 · Der Sprecher erläutert Foucaults radikale These, dass Macht nicht nur durch Unterdrückung, sondern durch die Erzeugung von Anreizen zur Selbstbeziehung funktioniert.
Sein Aktivismus war eigentlich ein unendlich subtiler, weil er an die Wurzeln, in die Archive ging und nicht mit dem Megafron geschrien hat
00:55:36 · Das Zitat verdeutlicht Foucaults methodischen Ansatz, gesellschaftliche Veränderungen durch tiefgreifende wissenschaftliche Analyse statt durch bloßen Protest zu bewirken.
In dieser Episode diskutiert der Kulturhistoriker Philipp Felsch die paradoxe Persönlichkeit und den einzigartigen Stil des Philosophen Michel Foucault. Er erläutert, wie Foucault wissenschaftliche historische Forschung mit existenzieller Transformation verband und seine Werke die Entstehung der modernen Vernunft durch den Ausschluss des Wahnsinns thematisieren.
Die Diskussion beleuchtet zudem Foucaults Identität als Provokateur, der das autonome Subjekt als historisches Konstrukt dekonstruiert. Es wird erörtert, wie seine Theorien zu Macht und Sexualität heutige Identitätsdiskurse beeinflussen und wie sein subtiler Aktivismus auf der Infragestellung von Denkkategorien basiert.
Veröffentlicht10 Okt. 2026
Dauer59:40
Folgen
270-
100 Jahre Michel Foucault: Der Wahnsinn der Freiheit
Gehört
In dieser Episode diskutiert der Kulturhistoriker Philipp Felsch die paradoxe Persönlichkeit und den einzigartigen Stil des Philosophen Michel Foucault. Er erläutert, wie Foucault wissenschaftliche historische Forschung mit existenzieller Transformation verband und seine Werke die Entstehung der modernen Vernunft durch den Ausschluss des Wahnsinns thematisieren.
Die Diskussion beleuchtet zudem Foucaults Identität als Provokateur, der das autonome Subjekt als historisches Konstrukt dekonstruiert. Es wird erörtert, wie seine Theorien zu Macht und Sexualität heutige Identitätsdiskurse beeinflussen und wie sein subtiler Aktivismus auf der Infragestellung von Denkkategorien basiert.
10 Okt. 2026
269-
Carl Hart: Besser leben mit Heroin und Kokain?
Gehört
In diesem Interview diskutiert der Neurowissenschaftler Karl Hart seine Erfahrungen mit dem gelegentlichen Heroinkonsum und widerspricht dem gesellschaftlichen Bild, dass Drogenkonsum zwangsläufig zu einem sozialen Abstieg führt. Er argumentiert, dass die Kriminalisierung von Drogen oft dazu dient, bestimmte soziale Gruppen zu kontrollieren, und dass die eigentlichen Probleme in der Armut und den sozialen Strukturen liegen.
Die Diskussion beleuchtet zudem die historische und politische Motivation hinter Drogenverboten sowie die Diskrepanz zwischen sichtbarer Abhängigkeit und breiterer Konsumentengruppe. Abschließend werden wissenschaftliche Daten gegenüber Meinungen gewichtet, die Bedeutung von Schadensminderung in der Schweizer Drogenpolitik erörtert und die Grenze zwischen staatlicher Regulierung und Verbot reflektiert.
03 Okt. 2026
268-
Die Welt retten mit Chemie? Nobelpreisträger Omar Yaghi
Gehört
In diesem Interview spricht der Nobelpreisträger Umayagi über seinen Weg vom Flüchtlingskind zum hochdekorierten Wissenschaftler und die Bedeutung von metallorganischen Gerüstverbindungen (MOFs) zur Lösung der globalen Wasserkrise. Er erläutert, wie diese porösen Strukturen Wasser aus der Luft gewinnen können und diskutiert die Kommerzialisierung dieser Technologie sowie die Notwendigkeit der Grundlagenforschung.
Zudem reflektiert Umayagi über seine Kindheit in Jordanien, seinen Weg in die USA und die Rolle von Chemie als Flucht vor der Realität. Er beschreibt den wissenschaftlichen Wandel von einer Ära der Knappheit hin zu einer durch KI gestützten Selektionswissenschaft, die unendliche Möglichkeiten im Periodensystem eröffnet.
26 Sep. 2026
267-
Bleiben, obwohl man gehen könnte?
Gehört
In diesem Gespräch mit der Philosophin Svenja Flassböller geht es um die Abkehr von der romantischen Idee der „perfekten Passung“ hin zu einer bewussten Entscheidung für den Partner. Die Sprecherin reflektiert dabei ihre persönliche Entwicklung von einem impulsiven Lebensstil hin zu einer stabilen Ehe und nutzt die Philosophie Sören Kierkegaards, um Konzepte wie Bindung, Freiheit und die Überwindung von Affektlagen zu erläutern.
Die Diskussion beleuchtet zudem die Bedeutung von Autonomie innerhalb einer Beziehung sowie die Notwendigkeit psychischer und materieller Unabhängigkeit für wahre Bindung. Abschließend werden Themen wie die Schwierigkeit von Trennungen, das Vermeiden von Idealisierung und die Wichtigkeit einer eigenen Identität jenseits der Partnerschaft thematisiert.
19 Sep. 2026
266-
Warum uns Hunde glücklich machen und Wölfe weise
Gehört
In diesem Gespräch mit dem Biologen Kurt Kotrschall wird die tiefe, evolutionäre Verbindung zwischen Mensch, Hund und Wolf beleuchtet. Der Experte erläutert, dass die Domestikation des Hundes auf einer sozialen Kooperation basiert, die bereits vor 40.000 Jahren begann, und dass diese Beziehung für die menschliche Entwicklung essenziell ist.
Der Beitrag thematisiert zudem die ethischen Herausforderungen der modernen Veterinärmedizin sowie das Spannungsfeld zwischen Mensch und Wolf, wobei der Wolf als politisch aufgeladene Symbolfigur analysiert wird. Abschließend wird die Notwendigkeit eines neuen Menschenbildes diskutiert, das Tiere als Mitgeschöpfe betrachtet und den Schutz von Ökosystemen als existenzielle Notwendigkeit betont.
12 Sep. 2026
265-
Funktionierst Du noch, oder lebst Du schon?
Gehört
In diesem Gespräch mit dem Soziologen Hartmut Rosa diskutiert die Moderatorin Olivia Röllin das Spannungsfeld zwischen dem 'Vollziehen' von Regeln und dem echten 'Handeln'. Rosa erläutert, dass sich der Mensch lebendig fühlt, wenn er auf Situationen individuell reagieren kann, während automatisierte Abläufe und bürokratische Vorgaben zu Entfremdung führen können.
Der Austausch beleuchtet zudem die Gefahr, dass durch zunehmende Reglementierung und technologische Überwachung die emotionale Verbindung zum Handeln verloren geht. Rosa plädiert für mehr Eigenverantwortung und Spielräume in Berufen wie der Pflege oder Lehre, um die Komplexität des Lebens nicht durch starre Protokolle und Optimierungsdruck zu ersticken.
05 Sep. 2026
263-
Wie Tiere den Tod verstehen – und was das über uns verrät
Gehört
In diesem Podcast diskutiert die Philosophin Susanna Monso über das Verständnis von Tod und Sterblichkeit in der Tierwelt. Dabei wird zwischen instinktiven Reaktionen, wie bei Ameisen, und komplexeren kognitiven Verhaltensweisen bei Elefanten, Orcas oder Primaten unterschieden.
Die Episode erörtert zudem die Unterscheidung zwischen Trauer und dem Bewusstsein für die eigene Endlichkeit sowie das Konzept eines minimalen Todesverständnisses. Abschließend wird die philosophische Bedeutung der Akzeptanz unserer eigenen Tierhaftigkeit und des Sterbens als universellem Teil des Lebenszyklus thematisiert.
29 Aug. 2026
262-
Dicke Körper, dünne Moral: Kate Manne über Fettfeindlichkeit
Gehört
In diesem Interview diskutiert die Philosophin Kate Mann über Fettfeindlichkeit als eine Form der Diskriminierung, die eng mit Misogynie, Rassismus und Klassismus verknüpft ist. Sie thematisiert die medizinische Vernachlässigung übergewichtiger Menschen sowie den gesellschaftlichen Druck zur Gewichtsreduktion trotz wissenschaftlicher Belege für die Unwirksamkeit von Diäten.
Die Diskussion beleuchtet zudem die Rolle der Pharmaindustrie bei der Pathologisierung von Körpermerkmalen und die ökonomischen Interessen der Schönheitsindustrie. Abschließend wird das Konzept der 'Body Reflexivity' als Alternative zu herkömmlichen Ansätzen vorgestellt sowie die Notwendigkeit von Antidiskriminierungsgesetzen erörtert.
22 Aug. 2026
261-
Was ist psychisch krank? Über Normalität und Wahnsinn
Gehört
Leon Engler und Michael Hagner diskutieren die zunehmende Komplexität psychiatrischer Diagnosesysteme wie dem DSM und die damit verbundene Gefahr der Pathologisierung alltäglicher menschlicher Zustände. Das Gespräch beleuchtet die historische Entwicklung der Psychiatrie von grausamen Zwangsmethoden bis hin zur modernen Psychopharmakologie sowie die philosophischen Perspektiven von Foucault und Erich Fromm auf Machtstrukturen und soziale Ungleichheit.
Darüber hinaus werden gesellschaftskritische Aspekte wie die Antipsychiatrie-Bewegung, die intergenerationale Weitergabe von Traumata durch Epigenetik und die Bedeutung narrativer Prozesse thematisiert. Die Episode untersucht das Zusammenspiel von genetischer Vulnerabilität und sozialen Umwelteinflüssen sowie die Rolle der Erzählung bei der Bewältigung psychischer Erfahrungen.
15 Aug. 2026
260-
Geburtenrückgang – Gibt es bald zu wenige Menschen?
Gehört
In diesem Gespräch mit dem Demografen Paul Morland wird der globale Paradigmenwechsel von einer drohenden Überbevölkerung hin zu einem massiven Bevölkerungsrückgang thematisiert. Er erläutert die Risiken einer alternden Gesellschaft und diskutiert das sogenannte 'demografische Trilemma', wonach eine Gesellschaft nicht gleichzeitig ethnische Kontinuität, wirtschaftliches Wachstum und individuelle Freiheit bei niedrigen Geburtenraten aufrechterhalten kann.
Die Diskussion beleuchtet zudem die komplexen Ursachen sinkender Geburtenraten sowie die Notwendigkeit politischer und kultureller Maßnahmen zur Förderung der Familienplanung. Dabei wird vor einem möglichen wirtschaftlichen und sozialen 'Armageddon' gewarnt, das durch eine schrumpfende Erwerbsbevölkerung und steigende Staatsverschuldung ausgelöst werden könnte.
08 Aug. 2026
259-
Annette Kehnel – Mit dem Mittelalter in die Zukunft
Gehört
In diesem Gespräch mit der Historikerin Annette Kindl wird untersucht, wie mittelalterliche Lebensformen und Wissensressourcen als Inspiration für moderne Nachhaltigkeit dienen können. Die Expertin erläutert, dass das Mittelalter durch Konsens und effiziente Ressourcenverwaltung, wie am Beispiel der Bodenseefischerei, geprägt war, und korrigiert das Klischee eines rein dunklen Zeitalters.
Darüber hinaus werden progressive Aspekte wie die Autonomie von Frauen in Beginenhöfen sowie religiöse Konzepte als Modelle für intergenerationale Verantwortung thematisiert. Das Gespräch reflektiert zudem die Notwendigkeit kultureller Anpassungsfähigkeit und den Umgang mit globalen Krisen durch das Lernen aus historischen Mustern.
01 Aug. 2026
258-
Ist Altern eine Krankheit? Über den Traum vom langen Leben
Gehört
In dieser Episode diskutieren Experten über das Konzept der Longevity, wobei der Fokus auf der Verlängerung der gesunden Lebensspanne („Health Span“) statt nur der reinen Lebensdauer liegt. Die Gesprächspartner erörtern wissenschaftliche Fortschritte bei der Identifizierung von Alterungsmechanismen sowie die Bedeutung eines gesunden Lebensstils gegenüber extremen Selbstoptimierungsmaßnahmen.
Zudem thematisieren die Sprecher den Wandel hin zu einer personalisierten, präventiven Medizin und die Auswirkungen der steigenden Lebenserwartung auf die Gesellschaft. Dabei werden sozioökonomische Ungleichheiten beim Zugang zu Gesundheit sowie die Notwendigkeit politischer Reformen für das Rentensystem und neue Modelle des lebenslangen Lernens in einer sich wandelnden Arbeitswelt besprochen.
25 Jul. 2026
257-
Hannah Arendt – Die Jahrhundertdenkerin
Gehört
Hannah Arendt gilt als eine der einflussreichsten politischen Denkerinnen des 20. Jahrhunderts – unkonventionell, ideologiekritisch, streitbar. Ihr Denken, entstanden aus den Erschütterungen von Flucht, Exil und Staatenlosigkeit, bleibt 50 Jahre nach ihrem Tod von erstaunlicher Gegenwartskraft. «Denken ohne Geländer» – diesem Anspruch widmete Arendt ihr ganzes Leben. Sie durchlebte die Katastrophen des 20. Jahrhunderts, floh vor den Nationalsozialisten, stellte sich in den USA neu auf und widmete ihr Leben der Suche nach Wahrheit und Freiheit. Sie beharrte auf intellektuelle Beweglichkeit statt Zugehörigkeit und war konsequent ideologiekritisch. Freundschaft wurde für sie zur politischen Tugend, Pluralität zum Grundprinzip menschlichen Zusammenlebens. Wie wirken die biografischen Brüche und Neuanfänge in ihr Werk hinein? Warum spielt Zwischenmenschlichkeit und Freundschaft eine so zentrale Rolle in ihrer politischen Theorie? Und weshalb gewinnen Arendts Ideen gerade heute so an Brisanz? Olivia Röllin im…
18 Jul. 2026
256-
Glaube ade? Die schwindende Bedeutung von Religion
Gehört
Was, wenn der Gottesglaube allmählich verdunstet? Wenn die Kirchen zu Eventlokalen mutieren? Der Religionssoziologe Detlef Pollack würde dies bedauern, obwohl er selbst nicht gläubig ist. Doch warum? Was verliert eine Gesellschaft, wenn sie den Glauben verliert? Auf Tiktok, Instagram und Youtube missionieren christliche und muslimische Influencerinnen und Influencer fleissig und sprechen vor allem ein junges Publikum an. Tech-Milliardär Peter Thiel hält in Rom Vorträge über den «Antichristen». Donald Trump betet im Oval Office. Und in der Schweiz scheinen Freikirchen wieder an Zulauf zu gewinnen. Dennoch ist Detlef Pollack überzeugt: Der Gottesglaube ist auf dem Weg, in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Der renommierte Religionssoziologe forscht am Centrum für Religion und Moderne der Universität Münster und hat für die Neuauflage seines Buches «Religion in der Moderne» weltweite Daten zu Religiosität und Glauben zusammengetragen. Selbst im Iran und in den USA verlöre die Religion an Rückhalt. Wer nun…
11 Jul. 2026
255-
Alena Buyx über lebenswertes Leben und selbstbestimmtes Sterben
Gehört
Am Ende sanft einschlafen, das wünschen sich alle. Doch die wenigsten Menschen sterben so. Deshalb plädiert die deutsche Ärztin und Philosophin Alena Buyx dafür, sich eingehend mit dem eigenen Tod zu befassen. Ein Gespräch über ethische Fragen rund um Leben und Sterben. Die meisten Menschen sterben im Spital oder im Alters- und Pflegeheim, einige davon werden gar künstlich beatmet. Das wünscht sich wohl niemand. Deshalb sollte sich jede und jeder dringend mit dem eigenen Sterben auseinandersetzen, egal in welchem Alter, findet Alena Buyx. Die Medizinethikerin war Präsidentin des deutschen Ethikrats und befasst sich seit vielen Jahren mit den grossen Fragen rund um Geburt, Krankheit, Leben und Tod. Yves Bossart spricht mit ihr über ethische Entscheidungen in der Medizin, über Sterbehilfe und Frühgeburten – und fragt: Was ist ein lebenswertes Leben? Ein Gespräch über Selbstbestimmung, Fürsorge und Gerechtigkeit im medizinischen Alltag sowie über Work-Life-Balance und die Frage, warum die antike griechische…
04 Jul. 2026
254-
Wie sieht die Zukunft des Sterbens aus?
Gehört
Ihre Arbeit veränderte den Umgang mit dem Tod grundlegend: Die Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross. Diese Tage hätte sie ihren 100. Geburtstag gefeiert. Und heute, in einer zunehmend alternden Gesellschaft, stellt sich dringlicher denn je die Frage: Wie werden wir in Zukunft sterben? Mit «Interviews mit Sterbenden» leistete die schweizerisch-US-amerikanische Psychiaterin und Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross 1969 Epochemachendes: Sie brach das Schweigen über den Tod und verschob ihn aus der Tabuzone in den gesellschaftlichen Diskurs. Ihre kulturelle Leistung liegt darin, das Sterben als Teil des Lebens sichtbar gemacht zu haben – eine Voraussetzung für die moderne Palliativmedizin. Gleichzeitig stellt die demografische Entwicklung diese Errungenschaften infrage. Immer mehr Menschen erreichen ein hohes Alter – häufig verbunden mit langen Phasen von Krankheit und Demenz. Der Palliativmediziner Gian Domenico Borasio spricht von einem «Tsunami von hochaltrigen Sterbenden», der auf uns zukomme und…
27 Jun. 2026
253-
Tsitsi Dangarembga – feministische Stimme Afrikas
Gehört
Tsitsi Dangarembga war die erste schwarze Frau in Simbabwe, die Romane veröffentlicht und Filme gedreht hat. Heute zählt sie zu den einflussreichsten Stimmen weltweit. In seiner letzten Sendung spricht Yves Bossart mit ihr über Feminismus in Afrika und über Kunst als Widerstand. Die Schriftstellerin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga wurde 2020 von der BBC zu den weltweit hundert wichtigsten Frauen gewählt. Ihr Werk wurde mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Aufgewachsen in England und Simbabwe, gelang ihr mit 25 Jahren der Durchbruch mit dem Buch «Nervous Conditions», die Geschichte eines jungen Mädchens, das gegen die Widerstände von Patriarchat und Rassismus kämpft. Später studiert Dangerembga Filmregie in Berlin und dreht zahlreiche Filme in ihrem Heimatland Simbabwe. Ihre gesellschaftskritischen Bücher und Filme kreisen um die Themen Hautfarbe, Klasse und Geschlecht. 2020 wurde sie verhaftet und angeklagt, weil sie zur Teilnahme an einer Anti-Korruptions-Demonstration in…
20 Jun. 2026
252-
Warum lohnt sich ein sokratisches Leben, Agnes Callard?
Gehört
Sokrates war ein radikaler Denker – so radikal, dass ihn die Athener schliesslich zum Tode verurteilten. Die Philosophin Agnes Callard plädiert dafür, es ihm gleichzutun in seiner radikalen Wahrheitssuche. Denn sie stimmt Sokrates zu: Nur das geprüfte Leben ist es wert, gelebt zu werden. Agnes Callard, Professorin für Philosophie in Chicago, verteidigt Sokrates als Vorbild für die Gegenwart: Ein gutes Leben, so ihre These, setzt voraus, dass wir es unablässig prüfen und uns unbequemen, «unzeitgemässen» Fragen stellen. Stattdessen organisieren die meisten ihren Alltag im Viertelstundentakt und dringen nie zum tieferen Sinn des Lebens vor. Für Callard besteht dieser in der Idee der Aspiration: dem beständigen Streben nach intellektueller Reife, die nichts mit Selbstoptimierung, aber viel mit der Einsicht in die eigene Unwissenheit und der Sehnsucht nach Wissen zu tun hat. Die gute Nachricht: Wir sind in diesem Streben nicht allein. Ganz wie Sokrates ist sie der Ansicht, dass wir nur dank des Dialogs mit…
13 Jun. 2026
251-
American Fussball – Wie politisch wird Trumps WM?
Gehört
Wenn die besten Fussballmannschaften in den USA, Mexiko und Kanada um den WM-Titel kämpfen, steht die Weltpolitik mit auf dem Platz. Wird Trump das Turnier zu eigenen Zwecken missbrauchen? Marcel Reif und Claudia Brühwiler über das Wechselspiel von Sport und Politik – und die Wahrheit auf dem Platz. Am 11. Juni ist Anpfiff der Fussball-WM 2026. Neben der sportlichen Vorfreude gibt das Ereignis auch Anlass zur Sorge und Unzufriedenheit. Fans beklagen überteuerte Ticketpreise und Überkommerzialisierung. Viele bleiben fern, sofern sie überhaupt einreisen dürften. Der Unmut über Gianni Infantinos FIFA ist bereits jetzt riesig. Wie auch die Sorge vor einer politischen Instrumentalisierung des Ereignisses: Wie sicher sind die Fans südamerikanischer Mannschaften vor dem Zugriff von Trumps ICE Truppen? Wird der amerikanische Präsident das Turnier zu eigenen Selbstdarstellungszwecken missbrauchen? Wie steht es um die Teilnahme Irans? Droht das auf 104 Partien aufgeblasene Turnier zu einem kommerziellen wie…
06 Jun. 2026
250-
Extremismus auf dem Vormarsch – Droht ein neuer Faschismus?
Gehört
In vielen Teilen der Welt gewinnen rechtsnationale und autoritäre Kräfte an Einfluss – und immer öfter steht die Frage im Raum: Ist das schon Faschismus? Wo liegen die Ursachen dieses Rechtsrutsches und gibt es faschistische Tendenzen nur auf der rechten, oder auch auf linker Seite? Die Schweiz ist in einer neuen Realität angekommen: Zum ersten Mal ist sie von Staaten umgeben, in denen Parteien die Umfragen anführen, die die Politikwissenschaft als «radical right» einordnet: Von Italien über Österreich bis nach Frankreich und Deutschland verschiebt sich das politische Koordinatensystem nach rechts. Treibende Kraft der neuen Rechten sind nicht zuletzt rechtsextreme Jugendgruppen: Sie organisieren sich über Plattformen wie Instagram, Tiktok oder Telegram und verknüpfen ihre rechtsextreme Ideologie mit Themen wie Ernährung, Sport und Natur. Haben wir es heute mit einer Art «Lifestyle-Faschismus» zu tun? Auch auf der linken Seite nehmen gewalttätige Ausschreitungen von Jugendgruppen zu. Woher kommen diese…
30 Mai 2026
249-
Geburtenrückgang – Gibt es bald zu wenige Menschen?
Gehört
Paul Morland ist einer der einflussreichsten Demografen weltweit. Und er hat eine alarmierende Nachricht: Nicht mehr die Bevölkerungsexplosion ist die grosse Gefahr für die Welt, sondern das Gegenteil: Wir könnten bald zu wenige sein. Wie kam es dazu und was lässt sich dagegen tun? Bereits leben über 8 Milliarden Menschen auf der Welt. Auch wenn diese Zahl derzeit weiter wächst – die Überbevölkerung ist langfristig nicht das Problem. Denn ab dem Jahr 2080 soll die Menschheit laut Berechnungen der Uno wieder schrumpfen. Mit verheerenden Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft, warnen führende Demografen, darunter Paul Morland. Der Brite ist ein Experte auf diesem Gebiet und warnt vor einem «demografischen Armageddon», das auch Länder wie die Schweiz langfristig nicht mit Zuwanderung werden lösen können. Ist das reine Panikmache oder eine grössere Gefahr als die Klimakrise, wie Paul Morland sagt? Barbara Bleisch ist zu Gast am St. Gallen Symposium und fragt bei ihm nach.
23 Mai 2026
248-
Jetzt! – Die Zeit als Schlüssel zum guten Leben
Gehört
Beschleunigung, Zeitdruck, Stress. Der moderne Mensch rennt gegen die Zeit und verpasst dabei allzu oft den Moment, das Jetzt. Doch was ist dieses Jetzt? Wem gehört meine Zeit? Und wie wollen wir am Ende des Lebens gelebt haben? Darüber spricht Yves Bossart mit dem Philosophen Udo Marquardt. Teilzeitarbeit liegt im Trend. Fast 40 Prozent aller Erwerbstätigen in der Schweiz arbeiten Teilzeit. Mehr Zeit für die wichtigen und schönen Dinge im Leben. Das wäre das Ziel, findet auch der Philosoph Udo Marquardt. Doch der moderne Mensch sei gefangen im Strudel der Beschleunigung. Wie also kommen wir da wieder raus? Und wie hat das Ganze angefangen? Udo Marquardt erzählt in seinem Buch «Zeit und Mensch. Facetten einer Kulturgeschichte» die Geschichte des Zeitverlusts und meint: Die Moderne hat die Zeit zum Fetisch gemacht, zu einem Götzen, der unser Leben diktiert. Höchste Zeit, das zu ändern. Zeit sei nicht abstrakt, sondern immer «meine eigene Zeit», Lebenszeit, meint Marquardt. Zusammen mit Yves Bossart spricht…
16 Mai 2026
247-
Ivan Krastev: Wie zukunftsfähig ist Europa?
Gehört
Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, die Abwahl von Viktor Orbán in Ungarn, Donald Trumps mangelndes Geschichtsverständnis und die Angst vor der Zukunft. Der bulgarische Politologe Ivan Krastev zeigt auf, wie Europa den Disruptionen die Stirn bieten und sich neu erfinden kann. Unsere Träume sind europäisch, aber unsere Albträume sind national, sagt der in Wien lehrende bulgarische Politikwissenschaftler Ivan Krastev. Einst als Friedensprojekt gestartet, ist die EU mittlerweile vor allem ein Bündnis alter Ängste und neuer Traumata. Europas liberale Demokratien stehen auf der Kippe, seine wirtschaftliche Kraft scheint zu schwinden, seine Verteidigungsfähigkeit wirkt mehr als fraglich. Wie lässt sich ein europäischer Neustart denken? Könnte es sein, dass dieser Impuls aus dem Osten kommt? Bedeutet die Abwahl Viktor Orbáns gar den entscheidenden Wendepunkt? Im Gespräch mit Wolfram Eilenberger analysiert Krastev die Zukunftsaussichten eines Kontinents, der im Angesicht von Krieg und Krise neu um seine…
13 Mai 2026
246-
Vom ersten Mal und dem ungelebten Leben
Gehört
Was prägt ein Leben: der erste Kuss, das Tattoo, das bleibt, oder die Midlife-Krise, in der plötzlich alles infrage steht? Der Kognitionswissenschaftler Fritz Breithaupt sagt: Nicht die Ereignisse selbst formen unser Leben, sondern die Art und Weise, wie wir sie zu Erfahrungen machen. Warum werden manche Momente zu Wendepunkten, während andere spurlos vergehen? Wie verwandelt sich ein peinlicher Augenblick in eine Geschichte, die wir immer wieder erzählen – oder in eine innere Narbe, an der wir festhalten? Und was geschieht mit unseren Erinnerungen, wenn wir Erlebnisse ständig wiederholen, durchdenken oder im Kopf alternative Lebensverläufe entwerfen? Fritz Breithaupt, Professor für Germanistik und Kognitionswissenschaft an der University of Pennsylvania, hat mit seinem Buch «Einmal, zweimal, keinmal. Wie wir Erfahrungen machen» eine Theorie des Erfahrungslebens vorgelegt. In der Sternstunde Philosophie spricht er mit Olivia Röllin über die Faszination des Neuen, die Macht der Wiederholung – und darüber, wie…
09 Mai 2026
245-
Älterwerden – mehr Gewinn als Verlust?
Gehört
Schmerzen, Verlust, Langeweile – das Alter hat kein gutes Image. Aber Studien zeigen: Ältere Menschen sind glücklicher als Junge. Warum ist das so? Und wie gelingt das Älterwerden? Darüber spricht Yves Bossart mit der Psychologin Pasqualina Perrig-Chiello und der Philosophin Nadine Mooren. Unsere Gesellschaft wird immer älter. Manche sprechen gar von «Überalterung». Das sei Altersdiskriminierung, findet die Psychologin Pasqualina Perrig-Chiello. Sie befasst sich seit Jahrzehnten mit dem Älterwerden und den negativen Vorurteilen des Alters. Älterwerden kann und muss gestaltet werden, meint sie: Wer gut alt werden will, sollte bereits heute damit anfangen. Das findet auch die Philosophin Nadine Mooren. Wir sollten das Alter nicht bekämpfen, sondern Akzeptanz lernen. Denn das Alter hat mehr zu bieten als nur Verlust. Es kann auch ein Gewinn sein, an Lebensweisheit, Gelassenheit und Genügsamkeit. Nur, wie geht das? Welche Gesellschaft braucht es dazu? Und: Altern Frauen anders als Männer?
02 Mai 2026
244-
Warum braucht es Menschen auf dem Mond, Alexander Gerst?
Gehört
Zum ersten Mal seit 54 Jahren waren im April Menschen unterwegs zum Mond. Die Euphorie war riesig. Aber braucht die Menschheit im 21. Jahrhundert wirklich noch Astronauten – oder sind sie teure Symbolfiguren in einem politischen Wettlauf? Olivia Röllin spricht mit dem Astronauten Alexander Gerst. Alexander Gerst, Astronaut und Geophysiker, war zweimal auf der Internationalen Raumstation ISS und verbrachte so knapp ein Jahr im All. Nun ist der 50-jährige Deutsche auf der Shortlist für die Mission «Artemis IV», die ab 2028 Menschen zum Mond schicken möchte. Und diesmal sollen sie länger bleiben. Was genau will sein Arbeitgeber, die Europäische Raumfahrtagentur ESA, zu der auch die Schweiz gehört, auf dem Mond? Und warum will sie gar mit einer eigenen Mission, genannt «Argonaut», zusätzlich dorthin? Und was bedeutet es, wenn das All zunehmend militarisiert und von privaten Akteuren wie Elon Musks Space-X mitkontrolliert wird? Ein Gespräch unter der Leitung von Olivia Röllin über die Faszination für das…
25 Apr. 2026
243-
Das Völkerrecht – ein zahnloser Tiger?
Gehört
Russland greift die Ukraine an, China droht Taiwan, die USA wollen Grönland besetzen und Donald Trump droht mit der vollkommenen Auslöschung des Iran. Experten sind sich einig: Die Verstösse gegen das Völkerrecht mehren sich. Was bedeutet das für die regelbasierte Ordnung? Weltweit mehrten sich zuletzt Verstösse gegen das Völkerrecht. Das Recht des Stärkeren scheint sich gegen das Regelwerk der internationalen Gemeinschaft immer mehr durchzusetzen. Internationale Gerichte werden nicht von allen Staaten anerkannt, und der UN-Sicherheitsrat ist häufig blockiert, was eine wirksame Ahndung von Völkerrechtsbrüchen erschwert. Warum hat das Völkerrecht so wenig Handhabe, Gewalt zu verhindern? Erwarten wir zu viel vom Recht, ja, wird es derzeit sogar zu sehr ausgedehnt, wenn es nun auch noch zu menschenrechtsbasierten Klimaklagen kommt? Barbara Bleisch fragt nach bei Helen Keller, Professorin für Völkerrecht, Europarecht und öffentliches Recht an der Universität Zürich und während neun Jahren Richterin am…
18 Apr. 2026
242-
Lob der Verletzlichkeit?
Gehört
In einer Welt voller Krisen rückt die eigene Verletzlichkeit schmerzlich ins Bewusstsein – und wird zur Einladung, Stärke neu zu denken: als Fähigkeit, berührbar zu bleiben. Doch was ist sie überhaupt für eine Fähigkeit und welche Kraft liegt in der Verletzlichkeit? Jetzt, wo weltweit Kriege eskalieren und soziale Spannungen zunehmen, wird die menschliche Verletzlichkeit sichtbarer denn je. Was als ferne geopolitische Krise beginnt, reicht längst in unseren Alltag hinein: Unsicherheit, Kontrollverlust, das Gefühl, dass Stabilität keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Zugleich wächst das Bedürfnis nach Solidarität, nach verlässlichen Beziehungen und nach einem neuen Verständnis von Stärke, das nicht auf Unangreifbarkeit, sondern auf Berührbarkeit gründet. Die Moderne erzählt gerne die Geschichte der radikal autonomen Person, die niemanden braucht und ihre Abhängigkeiten hinter sich lässt. Verletzlichkeit erscheint dabei als Makel, als Bedrohung der eigenen Souveränität. Die Philosophin und Autorin Barbara…
11 Apr. 2026
241-
Glaube ade? Die schwindende Bedeutung von Religion
Gehört
Was, wenn der Gottesglaube allmählich verdunstet? Wenn die Kirchen zu Eventlokalen mutieren? Der Religionssoziologe Detlef Pollack würde dies bedauern, obwohl er selbst nicht gläubig ist. Doch warum? Was verliert eine Gesellschaft, wenn sie den Glauben verliert? Auf Tiktok, Instagram und Youtube missionieren christliche und muslimische Influencer fleissig und sprechen vor allem ein junges Publikum an. Tech-Milliardär Peter Thiel hält in Rom Vorträge über den «Antichristen». Donald Trump betet im Oval Office. Und in der Schweiz scheinen Freikirchen wieder an Zulauf zu gewinnen. Dennoch ist Detlef Pollack überzeugt: Der Gottesglaube ist auf dem Weg, in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Der renommierte Religionssoziologe forscht am Centrum für Religion und Moderne der Universität Münster und hat für die Neuauflage seines Buches «Religion in der Moderne» weltweite Daten zu Religiosität und Glauben zusammengetragen. Selbst im Iran und in den USA verlöre die Religion an Rückhalt. Wer nun meine, die Menschen…
04 Apr. 2026
240-
Vom Urknall bis heute: Die Geschichte des Universums in Farben
Gehört
Das Universum ist weit mehr als ein schwarzer Nachthimmel. Der Astronom und Wissenschaftsvermittler Florian Freistetter zeigt, wie die Farben des Universums seine Geschichte erzählen – von violetten Planeten bis zum Licht, das den Urknall verständlich macht. Welche Farbe hat das Universum? Das fragt sich niemand, der schon einmal in den Nachthimmel geschaut hat. Die Antwort scheint klar: Schwarz. Doch die Astronomie weiss es besser: Der Kosmos ist viel bunter, als unser Auge wahrnehmen kann. Und nur dank dieser Buntheit können wir überhaupt etwas über das All in Erfahrung bringen. Was es zum Beispiel mit der Expansion des Alls und der damit zusammenhängenden Theorie eines Urknalls auf sich hat. In seinem neusten Buch zeichnet Florian Freistetter anhand der Farben des Universums dessen Geschichte nach. Einmal den ganzen Regenbogen durch. Was violette Planeten über den Ursprung des Lebens verraten, warum die Sonne eigentlich grün ist, was vor dem Urknall war und warum am Anfang wirklich das Licht war, das…
02 Apr. 2026
239-
Mit Elon Musk in ein neues Zeitalter?
Gehört
Für viele ist Elon Musk ein schillernder Unternehmer – und der reichste Mensch der Welt. Der Historiker Quinn Slobodian sieht in ihm jedoch weit mehr: Musk stehe für ein neues Weltbild, das ein zutiefst beunruhigendes Verständnis von Demokratie und technologischer Freiheit mit sich bringe. Beim Namen Elon Musk denken viele an Tesla, die Plattform X, die Raketen von SpaceX oder an Neuralink, das Gehirn-Computer-Schnittstellen entwickelt. Für Quinn Slobodian greift diese Perspektive zu kurz. Er argumentiert: Bei Musk gehe es nicht nur um eine Einzelperson oder um erfolgreiche Unternehmen, sondern um ein ideologisches Projekt – ein Weltverständnis, das darauf abzielt, Gesellschaft gewissermassen neu zu programmieren, mit weitreichenden politischen Konsequenzen. Olivia Röllin spricht mit Quinn Slobodian, Autor von «Muskismus», darüber, wie Musk durch antizyklische Entscheidungen und erhebliche staatliche Unterstützung zum reichsten Mann der Welt werden konnte, der heute sogar über den Verlauf von Kriegen…
28 Mär. 2026
238-
Annette Kehnel – Mit dem Mittelalter in die Zukunft
Gehört
Düster, rückständig, frauenfeindlich – das Mittelalter hat einen schlechten Ruf. Völlig zu Unrecht. Vielmehr weisen seine Wirtschafts- und Lebensformen den Weg in eine bessere, nachhaltigere, emanzipiertere Zukunft, argumentiert Historikerin Annette Kehnel. Mittelaltermärkte boomen, Fantasy-Sagas werden zu Bestsellern und Streaming-Hits. Abgesehen davon wird jedoch mit Abscheu und Angst auf das sogenannte Mittelalter geblickt. Die Zeit zwischen 500 und 1500 n. Chr. gilt als verlorene Epoche der Stagnation, des Aberglaubens und der Unterdrückung. Schuld daran ist eine Mischung aus Unwissen und Überheblichkeit, argumentiert Historikerin und Sachbuchautorin Annette Kehnel. Tatsächlich offenbart ein Blick auf die vormoderne Geschichte wertvolle Anregungen für unsere Zukunft – jenseits von Gewinnstreben und Eigennutz. Baustoffrecycling, Crowdfunding, nachhaltige Fischerei, Second-hand-Märkte – das alles gab es schon einmal. Wie konnte dieses Wissen verloren gehen? Und wie wäre es neu fruchtbar zu machen? Im…
21 Mär. 2026
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Der Iran-Krieg und die Geopolitik der Gegenwart
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Der Konflikt zwischen Iran, Israel und den USA hat sich in den letzten Wochen dramatisch zugespitzt und in der Region eine geopolitische Schockwelle ausgelöst. Was wollen die USA im Iran? Und wie verändert der Krieg die Spielregeln der internationalen Politik? Am 28. Februar 2026 starteten die USA gemeinsam mit Israel umfangreiche Luft- und Raketenangriffe auf iranische Ziele und töteten den langjährigen Obersten Führer des Iran Ali Chamenei. Die Offensive gilt als einer der grössten Militärschläge in der Region seit Jahren und löste umgehend massive Gegenangriffe Irans aus. Der Krieg markiert eine neue Eskalationsstufe eines bereits fragilen Machtgefüges. Die Folgen sind kaum abzuschätzen. Die Situation birgt erhebliche Risiken – nicht nur für die regionale Sicherheit, sondern auch für globale Märkte und Machtgefüge. Wohin führt der Konflikt? Wie weit werden die USA und Israel gehen? Und wie ist dieser Krieg aus moralischer und völkerrechtlicher Sicht zu bewerten? Das Gespräch unter der Leitung von Yves…
14 Mär. 2026
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Ist Altern eine Krankheit? Über den Traum vom langen Leben
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Hundert gesunde Lebensjahre. Das soll bald normal sein. Dank «Longevity»: Gesunder Lebensstil, Prävention, Therapien und Pillen. Aber wozu eigentlich? Wie lange dauert ein gutes Leben? Yves Bossart im Gespräch mit dem Unternehmer Tobias Reichmuth und dem Journalisten Thomas Schulz. Aufhalten lässt sich das Älterwerden heute noch nicht. Aber verlangsamen. Durch einen gesunden Lebensstil, durch ausgewogene Ernährung, viel Bewegung, wenig Stress, guten Schlaf und ein soziales Umfeld. Daneben gibt es immer mehr Angebote, die uns lange Gesundheit versprechen oder gar eine Heilung von der Krankheit «Altern»: von Nahrungsergänzungsmitteln über Sauerstofftherapien bis zu Eingriffen in unsere Gene. «Longevity» ist ein Lifestyle, ein Megatrend und ein Milliardenmarkt. Das Ziel: Möglichst lange gesund sein, bald schon über 100 Jahre. Was ist davon zu halten? Wie viel Gesundheit gehört zu einem erfüllten Leben? Und wie sieht unsere Gesellschaft aus, wenn wir alle bald 120 Jahre alt werden? Darüber spricht Yves Bossart…
07 Mär. 2026
235-
Auf dem Weg zum weiblichen Zeitalter?
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Weltweit verschlechtert sich die Lage der Frau dramatisch: Abtreibungsverbote, Bildungsverbote, brutales Vorgehen gegen Demonstrantinnen. Ausgerechnet in dem Moment, in dem Frauen besser ausgebildet sind und mehr Rechte einfordern, droht der antifeministische und autoritäre Backlash. Ob auf den Barrikaden, in geheimen Netzwerken oder mit leiser Beharrlichkeit – Frauen prägen weltweit Revolutionen. Und aktuell kämpfen sie vielerorts im Umfeld autoritärer, antifeministischer Gesellschaften: Gegen Abtreibungsverbote in Teilen der USA und in Polen, gegen Bildungsverbote und massive Einschränkungen für Frauen in Afghanistan oder brutales Vorgehen gegen Demonstrierende im Iran. Zum Internationalen Frauentag rückt ihr oft übersehener Einfluss ins Zentrum: die Frauen sind laut, vernetzt und unaufhaltsam. Die Autorin und Journalistin Shila Behjat («Frauen und Revolution») vermutet trotzdem einen Übergang in ein neues, ein weibliches Zeitalter. Überall dort, wo heute um Demokratie gerungen wird, sind Frauen an der…
28 Feb. 2026
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Was ist psychisch krank? Über Normalität und Wahnsinn
Gehört
Jede zweite Person erfährt in ihrem Leben eine psychische Erkrankung. Doch was heisst überhaupt krank? Und warum verstehen wir noch heute nicht richtig, woher psychische Leiden kommen? Ein Gespräch über Diagnosen, Vererbung und soziale Umstände, und über die heilende Kraft von Geschichten. Angststörungen, Depressionen, Sucht: Jede zweite Person erkrankt in ihrem Leben psychisch. Eine erschreckend hohe Zahl, welche die Frage aufwirft, ob wir als Gesellschaft immer kränker werden. Oder wird eher das Raster, was als normal gilt, immer enger? Welche Ursachen liegen den Krankheiten zugrunde, sind es die Gene oder macht doch das gesellschaftliche Umfeld krank? Und welche Rolle spielt die Psychiatrie, um seelischen Leiden zu begegnen, oder sie sogar zu heilen? Darüber spricht Olivia Röllin mit Leon Engler, Autor des Buchs «Botanik des Wahnsinns» und angehender Psychotherapeut, und dem Medizinier und Wissenschaftshistoriker Michael Hagner.
21 Feb. 2026
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Du kannst nichts gegen die Klimakrise tun!
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Flugscham, Hafermilch, Lastenrad: Wer klimabewusst lebt, gilt schnell als (moralisches) Vorbild. Die Juristin und Rechtsphilosophin Frauke Rostalski hält das für eine gefährliche Dynamik – und sagt: momentan ist der Einzelne nicht in der Pflicht, etwas gegen den Klimawandel zu tun. Frauke Rostalski bestreitet weder Klimakrise noch nicht die Dramatik des steigenden Co2-Ausstosses. Sie kritisiert aber die Verschiebung der Verantwortung auf Konsumentinnen und Konsumenten. Einzelne Entscheidungen – weniger fliegen, weniger Fleisch essen – seien klimatisch praktisch wirkungslos, solange sie nicht in ein global verbindliches Reglementarium eingebettet sind. Gemäss Rostalski braucht es internationale Regeln mit Anreizen und Sanktionen, etwa in Form eines Klimaclubs mit CO₂-Mindestpreis - eine Idee, die sie vom US-amerikanischen Wirtschaftsnobelpreisträger William Nordhaus übernimmt. Verantwortung sieht Rostalski deshalb vor allem bei Regierungen, die endlich ein funktionierendes internationales System schaffen…
14 Feb. 2026
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Kunst oder Politik: Was rettet die Welt, Sibylle Berg?
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Sibylle Berg, vielfach ausgezeichnete Autorin und Kolumnistin agiert wie eine literarische Alarmanlage: schrill, nervig – und doch notwendig. Denn ihre Frage ist keine kleine: Ist die Welt noch zu retten und welche Kraft haben Utopien? Ihre Bücher sind in über 30 Sprachen übersetzt, ihre Stücke werden weltweit gespielt. Für ihr Werk wurde Sibylle Berg – oft als weibliche Antwort auf Michel Houellebecq bezeichnet – vielfach ausgezeichnet: unter anderem mit dem Schweizer Buchpreis, dem Bertolt Brecht Preis und dem Grand Prix Literatur. Als Mitglied des EU-Parlaments für «Die Partei» mischt sie neuerdings auch den politischen Betrieb auf – und zögert nicht mit Kritik: Zu viel Bürokratie, zu wenig Gestaltungsraum, zu viel Besitzstandwahrung, zu wenig Aufbruch und Mut. «Frau Berg», wie sich die Künstlerin nennt, will den Kapitalismus abschaffen und der Überwachung den Kampf ansagen. Dabei agiert sie nicht nett, nicht mild, nicht versöhnlich – sondern klug, wütend und unterhaltsam. Barbara Bleisch fragt nach, wie…
07 Feb. 2026
231-
Fake News oder echte Gefahr? Die Wahrheit hinter Desinformation
Gehört
Die Verunsicherung ist riesig. Welchen Nachrichten kann man noch trauen? Besonders in digitalen Medien werden Fake News und «alternative Fakten» gezielt gestreut, um unsere Demokratien zu schwächen. Aber wirkt das überhaupt? Und wenn ja, wie genau? Der Soziologe Nils Kumkar klärt auf. Laut einer aktuellen Erhebung sind annähernd drei Viertel der befragten Internet-User überzeugt, binnen der letzten Woche mit Fake News konfrontiert worden zu sein. Diese gezielt gestreuten Falschinformationen haben meist unklare Absender, breiten sich rasend schnell aus und benebeln die Urteilskraft. Nicht zuletzt wird es im Zuge neuerer KI-Technologien immer schwieriger, diese Fälschungen und Fakes als solche zu erkennen und zu entlarven. Was also tun? Wem oder was kann man, gerade in der digitalen Sphäre, überhaupt noch trauen? Und wie sähe eine Demokratie aus, deren mündige Bürger sich nicht mehr verlässlich informieren können? Der Soziologe Nils Kumkar, Autor von Büchern wie «Alternative Fakten» und «Polarisierung»,…
31 Jan. 2026
230-
Würden Sie fürs eigene Land in den Krieg ziehen?
Gehört
Europa und die Schweiz rüsten auf. Doch es fehlen Soldaten. Wer geht kämpfen, wenn es hart auf hart kommt? Braucht es wieder eine Wehrplicht? Eine Gewissensprüfung? Und darf der Staat überhaupt zum Töten zwingen? Ein Streitgespräch über Sicherheit, Krieg und Frieden. Aufrüstung kostet nicht nur. Jemand muss all die Waffen auch bedienen können. Wer stellt sich also an die Grenze, wenn Russland angreift? «Ich sicher nicht», sagt Ole Nymoen. Sein Buch «Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde. Gegen die Kriegstüchtigkeit» sorgte unlängst für rote Köpfe und hitzige Debatten. So wie er argumentieren viele junge Menschen. Auch in der Schweiz ist die Bereitschaft, Wehrdienst zu leisten, gesunken. Ausgerechnet jetzt, da auf dem europäischen Kontinent seit fast vier Jahren Krieg geführt wird. Deshalb soll der Zivildienst nun unattraktiver und eventuell die Gewissensprüfung wieder eingeführt werden. Wer also ist bereit zu kämpfen? Und ist es moralisch vertretbar, Menschen zum Töten zu zwingen? Darüber spricht…
24 Jan. 2026
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Alles fährt Ski oder Schnee von gestern? – Philosophie der Piste
Gehört
Skilager und Sportferien gehörten lange zur Schweiz wie Fondue und Ovomaltine, noch heute ist das Skifahren für viele Kulturgut. Über die Faszination und die Kehrseiten eines Sports, der die Schweiz geprägt hat. Noch immer verbringen in der Schweiz viele Kinder während der Schulzeit mindestens eine Woche in den Bergen, rund 35 Prozent der Schweizer Bevölkerung fahren regelmässig Ski. Und wenn Ausnahmetalente wie Marco Odermatt oder Lara Gut die Piste runterbrettern, fiebert die Nation mit. Wie wurde Skifahren zum Kulturgut? Und weshalb werden Rennfahrerinnen und Rennfahrer immer schneller: Liegt es am Material oder am Können? Zu Gast sind die Skilegende Bernhard Russi, der auch als Architekt von Rennstrecken die Skiwelt über Jahrzehnte geprägt hat, und die Schriftstellerin Antje Rávik Strubel, die einst Skilehrerin werden wollte und Langlauf als Übung des Denkens versteht. Olivia Röllin fragt, worin der Reiz des Tempos besteht, wie Hightech-Sport zur Idee der unberührten Natur passt und ob…
17 Jan. 2026
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Weiterleben nach einem Trauma – Crans-Montana und darüber hinaus
Gehört
Andreas Maercker ist einer der renommiertesten Traumaforscher der Welt – und hat als politischer Häftling selbst Traumatisches erlebt. Wie lassen sich traumatische Erlebnisse bewältigen, persönlich und als Gesellschaft? Andreas Maercker weiss, wovon er spricht: Als Professor an der Universität Zürich hat der Psychologe und Arzt während vieler Jahre erforscht, wie Menschen traumatische Erfahrungen verarbeiten und unter welchen Umständen sie Folgeerkrankungen ausbilden. Seine viel beachteten Studien – unter anderem mit Kriegsopfern, politischen Gefangenen und ehemaligen Verdingkindern – zeigten, dass die Anerkennung des Geschehenen für eine erfolgreiche Bewältigung zentral ist. Im Gespräch mit Barbara Bleisch erklärt der renommierte Wissenschaftler, was die Betroffenen der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS jetzt brauchen und weshalb Gesten wie der nationale Gedenktag ebenso wichtig sind wie die Klärung der Schuldfrage. Und er erzählt von seiner persönlichen traumatischen Geschichte, wie er als junger Mann…
10 Jan. 2026
227-
Wie kann Liebe die Welt verändern, Daniel Schreiber?
Gehört
In seinem neuen Buch «Liebe! Ein Aufruf» plädiert der Essayist Daniel Schreiber für eine Politik der Liebe und radikale Freundlichkeit. Barbara Bleisch fragt nach, wieviel politische Sprengkraft in diesem Aufruf steckt, der im ersten Moment wie ein nett gemeinter, aber naiver Vorschlag klingt. Der preisgekrönte Essayist Daniel Schreiber spürt in seinem neuen Buch der Frage nach: Was bedeutet die Liebe zur Welt – und warum fällt es uns heute oft so schwer, sie zu empfinden? Bezugnehmend auf philosophische Stimmen wie Hannah Arendt oder Erich Fromm und persönliche Beobachtungen ruft Schreiber dazu auf, die derzeit bei vielen vorherrschende Resignation zu durchbrechen und sich radikal zurückzubesinnen auf Empathie, Solidarität und Verbundenheit. Doch können solch selbstverständlich klingende Appelle in der derzeitigen politischen Grosswetterlage etwas ausrichten? Barbara Bleisch fragt nach, ob nicht Wut die wirkungsvollere Kraft wäre für echte Veränderung und ob die Liebe in der Politik tatsächlich etwas…
03 Jan. 2026
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Leben ohne Augenlicht – Die Welt der Blindheit
Gehört
In einer Welt, die von Bildern dominiert wird, erscheint ein Leben ohne Augenlicht nahezu unvorstellbar. Der Philosoph Tobias Litterst ist seit Geburt blind und erzählt, was es heisst, in einer Welt aus Klängen und Tasteindrücken zu leben. Eine Welt, von der sehende Menschen viel lernen können. Der deutsche Philosoph Tobias Litterst hat noch nie eine Farbe gesehen, noch nie den Sternenhimmel betrachtet. Und doch hat er eine Idee davon. In seinem Buch «Blind sein – Ein philosophischer Erfahrungsbericht» beschreibt er seine Welt als konturlos, als flüchtig und als ständigen Widerspruch zwischen Nähe und Distanz. Die schöne Landschaft ist ungreifbar weit weg, das Hindernis dagegen gefährlich nah. Seiner Welt fehlt die Vorhersehbarkeit und die Übersicht. Er ist notgedrungen auf Hilfe angewiesen, fragt sich nur: Wie hilft man richtig? Was können sehende Menschen von Blinden lernen? Und welches Weltbild hat man ohne Bild? Darüber spricht Tobias Litterst mit Yves Bossart.
27 Dez. 2025
225-
Alles Klasse? – Wie Status unser Leben ordnet
Gehört
Heute werde zwar viel über Rassismus und Sexismus gesprochen, aber viel zu wenig über Klasse. Das meint der Philosoph Hanno Sauer. Olivia Röllin spricht mit ihm über Statussignale und jene feinen Unterschiede, die viel über unsere Klassenzugehörigkeit sagen. Fast alles, was wir tun, ist ein Statussignal. Das zumindest behauptet der Philosoph Hanno Sauer. Klasse sei nicht nur eine ökonomische Kategorie, sondern auch Bildung, Wohnort, Netzwerke und Geschmack entscheiden darüber, wer oben und wer unten steht. Schon an Aussprache, Körperhaltung oder scheinbar banalen Höflichkeitsgesten lasse sich ablesen, wo jemand in der sozialen Hierarchie rangiert. Dieser Hierarchisierung sei kein Fehler des Systems, sondern Teil unseres menschlichen Wesens. Deshalb argumentiert Sauer, dass es moderne Gesellschaften ohne Klassenunterschiede nicht geben kann. Für ihn stellt sich nicht die Frage, wie man Klassen abschafft, sondern wie sich mit sozialer Ungleichheit und Ungerechtigkeit leben lässt, zumal Klassenunterschiede…
25 Dez. 2025
224-
Wer versteht die neue Weltunordnung?
Gehört
Die Zeit ist aus den Fugen. Trumps USA wenden sich von Europa ab. Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine geht ins vierte Jahr. Wie lässt sich unsere neue, unheimliche Gegenwart auf den Begriff bringen? Gespräch mit dem Historiker Karl Schlögel über den Beginn einer neuen weltgeschichtlichen Epoche. Nichts schwieriger als zu sagen, was die eigene Gegenwart ausmacht. Auch der mehrfach preisgekrönte Historiker und Russland-Experte Karl Schlögel gesteht offen, noch auf der Suche nach den richtigen Begriffen für unsere Jetztzeit zu sein. Eine Zeit neuer Kriege und Kriegsdrohungen inmitten Europas, schwankender Demokratien, zerbrechender Sicherheitsbündnisse und schamlos autokratischen Machtzugriffs. Wie lässt sich die drohende Selbstaufgabe der amerikanischen Demokratie begreifen? Was, wenn überhaupt, ist neu an Putins Gewaltherrschaft? Wie konnte Zentraleuropa sich so lange in Sicherheit wähnen? Haben „wir“ denn gar nichts aus der Geschichte gelernt? Im Gespräch mit Wolfram Eilenberger spricht Karl Schlögel,…
20 Dez. 2025
223-
Endet mit dem Tod das Bewusstsein, Christof Koch?
Gehört
Gibt es eine unsterbliche Seele? Und können Maschinen Bewusstsein haben? Solche Fragen treiben den renommierten Hirnforscher Christof Koch seit vielen Jahren um. Wie ein Selbst-Versuch mit Psychedelika seine wissenschaftliche Sicht verändert hat, erzählt er Barbara Bleisch. Das menschliche Gehirn besteht aus eineinhalb Kilo Wasser, Fett und Eiweiss. Wie erzeugt diese wabernde Masse inneres Erleben? Dass sich Dinge für Menschen wohlig oder beängstigend anfühlen, dass Musik sie berührt und sie betroffen reagieren, wenn jemandem Unrecht widerfährt? Der Erforschung dieser Frage hat der deutsch-amerikanische Neurowissenschaftler Christof Koch fast sein ganzes bisheriges Leben gewidmet. Für seine wissenschaftliche Arbeit ist er weltbekannt. Er, der als Katholik aufgewachsen ist und viele Jahre in der Kirche Halt fand, ist heute überzeugt: Eine unsterbliche Seele gibt es nicht. Nach einem Selbstversuch mit einer psychedelischen Substanz, die für ihn einer Nahtoderfahrung gleichkam, ist er sich aber auch sicher:…
13 Dez. 2025
222-
Hannah Arendt – Die Jahrhundertdenkerin
Gehört
Hannah Arendt gilt als eine der einflussreichsten politischen Denkerinnen des 20. Jahrhunderts – unkonventionell, ideologiekritisch, streitbar. Ihr Denken, entstanden aus den Erschütterungen von Flucht, Exil und Staatenlosigkeit, bleibt 50 Jahre nach ihrem Tod von erstaunlicher Gegenwartskraft. «Denken ohne Geländer» – diesem Anspruch widmete Arendt ihr ganzes Leben. Sie durchlebte die Katastrophen des 20. Jahrhunderts, floh vor den Nationalsozialisten, stellte sich in den USA neu auf und widmete ihr Leben der Suche nach Wahrheit und Freiheit. Sie beharrte auf intellektuelle Beweglichkeit statt Zugehörigkeit und war konsequent ideologiekritisch. Freundschaft wurde für sie zur politischen Tugend, Pluralität zum Grundprinzip menschlichen Zusammenlebens. Wie wirken die biografischen Brüche und Neuanfänge in ihr Werk hinein? Warum spielt Zwischenmenschlichkeit und Freundschaft eine so zentrale Rolle in ihrer politischen Theorie? Und weshalb gewinnen Arendts Ideen gerade heute so an Brisanz? Olivia Röllin im…
06 Dez. 2025
221-
Hypersensibel und hochbegabt: Was Rilkes Poesie zeitlos macht
Gehört
Hypersensibel und hochbegabt: Rainer Maria Rilke ist ein Phänomen. Der 1875 in Prag geborene Dichter wird auch knapp hundert Jahre nach seinem Tod verehrt wie kaum ein anderer Autor deutscher Sprache. Lady Gaga trägt sie als Tattoo, auf Instagram und TikTok entdecken junge Menschen seine Poesie neu. Rilke war ein Suchender und führte ein ruheloses Leben, getrieben von Angst und der Suche nach Schönheit, geprägt von intensiven Beziehungen zu starken Frauen, künstlerischen Krisen und von einer Sensibilität, die zugleich Bürde und Quell seines dichterischen Genies war. Seine Texte thematisieren die existenziellen Fragen des Menschseins, kreisen um Gott und preisen Natur und Tierwelt. Was macht Rilke zu einem generationenübergreifenden Phänomen? Was hat es mit der extensiven Liste an Geliebten auf sich, und was hätte Rilke zu Krisen unserer Zeit zu sagen? Olivia Röllin im Gespräch mit der Literaturkritikerin und Autorin Iris Radisch und dem Literaturwissenschaftler und Rilke-Biograf Manfred Koch.
29 Nov. 2025
220-
Bakterien, Pilze und Co. – die Macht der Mikroben
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Der Mensch ist ein Ökosystem. Er lebt in Symbiose mit Bakterien, Viren und Pilzen. Diese Mikroorganismen halten die Welt am Leben. Wie aber beeinflussen sie uns Menschen? Yves Bossart spricht über die Macht der Mikroben mit der Ärztin Giulia Enders und der Philosophin Anne-Sophie Moreau. Die Hälfte unserer Zellen am Körper sind keine menschlichen Zellen, sondern die Zellen von kleinsten Mikroorganismen, vor allem von Bakterien. Sie sind auf unserer Haut, auf der Zunge, und natürlich im Darm, unserem «zweiten Gehirn», wie Forschende herausgefunden haben. Bakterien beeinflussen sogar unser Unbewusstes, sollen für Depressionen und Ängste mitverantwortlich sein. Es sind Bakterien, Viren und Pilze, die alle dafür sorgen, dass der Kreislauf des Lebens überhaupt funktioniert – ein Kreislauf, in dem Kooperation, nicht Konkurrenz, das Grundprinzip ist. Wie verändert das Wissen über die Macht der Mikroben unser Bild vom Menschen? Wie frei sind Menschen überhaupt in ihren Entscheidungen angesichts dieser…