Sternstunde Philosophie

Sternstunde Philosophie

Vertiefende Gespräche mit herausragenden Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft und Politik. Die Sternstunde Philosophie vermittelt lebensnahe Denkanstösse zu zentralen Fragen unserer Zeit.
00:00
00:00

Zusammenfassung der Episode

In dieser Episode diskutiert der Kulturhistoriker Philipp Felsch die paradoxe Persönlichkeit und den einzigartigen Stil des Philosophen Michel Foucault. Er erläutert, wie Foucault wissenschaftliche historische Forschung mit existenzieller Transformation verband und seine Werke die Entstehung der modernen Vernunft durch den Ausschluss des Wahnsinns thematisieren. Die Diskussion beleuchtet zudem Foucaults Identität als Provokateur, der das autonome Subjekt als historisches Konstrukt dekonstruiert. Es wird erörtert, wie seine Theorien zu Macht und Sexualität heutige Identitätsdiskurse beeinflussen und wie sein subtiler Aktivismus auf der Infragestellung von Denkkategorien basiert.

Kapitel

Klicke auf ein Kapitel, um direkt zu diesem Moment zu springen

Highlights

Foucault hat der Philosophie nicht nur ein paar neue Ideen hinzugefügt, sondern er hat eine neue Art, einen neuen Stil des Philosophierens erfunden.

00:00:47 · Der Experte beschreibt die fundamentale Neuerung, die Foucault in der philosophischen Methodik bewirkt hat.

Ich bin ein Sprengmeister. Ich setze mein Dynamit an den Fundamenten der Kultur an und will sie sprengen.

00:16:39 · Dieses Zitat illustriert Foucaults radikale und provokative Herangehensweise an kulturelle Strukturen.

Wir wurden dazu gemacht, etwas zu wollen, aber wir sind gar nicht autonom. Wir sind zugerichtet, wir sind geradezu dressierte Tiere.

00:18:13 · Hier wird Foucaults Kritik an der Vorstellung eines selbstbestimmten Subjekts und die Idee der gesellschaftlichen Formung des Menschen deutlich.

Möglicherweise ist die Macht etwas, was positive Wirkungen hervorbringt und was vor allem die ihr unterworfene Anreize, Dinge zu tun, die sie als Befreiung empfinden, die aber im Grunde eine Form des Gehorsams sind.

00:45:40 · Der Sprecher erläutert Foucaults radikale These, dass Macht nicht nur durch Unterdrückung, sondern durch die Erzeugung von Anreizen zur Selbstbeziehung funktioniert.

Sein Aktivismus war eigentlich ein unendlich subtiler, weil er an die Wurzeln, in die Archive ging und nicht mit dem Megafron geschrien hat

00:55:36 · Das Zitat verdeutlicht Foucaults methodischen Ansatz, gesellschaftliche Veränderungen durch tiefgreifende wissenschaftliche Analyse statt durch bloßen Protest zu bewirken.

Folgen

270-

100 Jahre Michel Foucault: Der Wahnsinn der Freiheit

In dieser Episode diskutiert der Kulturhistoriker Philipp Felsch die paradoxe Persönlichkeit und den einzigartigen Stil des Philosophen Michel Foucault. Er erläutert, wie Foucault wissenschaftliche historische Forschung mit existenzieller Transformation verband und seine Werke die Entstehung der modernen Vernunft durch den Ausschluss des Wahnsinns thematisieren. Die Diskussion beleuchtet zudem Foucaults Identität als Provokateur, der das autonome Subjekt als historisches Konstrukt dekonstruiert. Es wird erörtert, wie seine Theorien zu Macht und Sexualität heutige Identitätsdiskurse beeinflussen und wie sein subtiler Aktivismus auf der Infragestellung von Denkkategorien basiert.

10 Okt. 2026
269-

Carl Hart: Besser leben mit Heroin und Kokain?

In diesem Interview diskutiert der Neurowissenschaftler Karl Hart seine Erfahrungen mit dem gelegentlichen Heroinkonsum und widerspricht dem gesellschaftlichen Bild, dass Drogenkonsum zwangsläufig zu einem sozialen Abstieg führt. Er argumentiert, dass die Kriminalisierung von Drogen oft dazu dient, bestimmte soziale Gruppen zu kontrollieren, und dass die eigentlichen Probleme in der Armut und den sozialen Strukturen liegen. Die Diskussion beleuchtet zudem die historische und politische Motivation hinter Drogenverboten sowie die Diskrepanz zwischen sichtbarer Abhängigkeit und breiterer Konsumentengruppe. Abschließend werden wissenschaftliche Daten gegenüber Meinungen gewichtet, die Bedeutung von Schadensminderung in der Schweizer Drogenpolitik erörtert und die Grenze zwischen staatlicher Regulierung und Verbot reflektiert.

03 Okt. 2026
268-

Die Welt retten mit Chemie? Nobelpreisträger Omar Yaghi

In diesem Interview spricht der Nobelpreisträger Umayagi über seinen Weg vom Flüchtlingskind zum hochdekorierten Wissenschaftler und die Bedeutung von metallorganischen Gerüstverbindungen (MOFs) zur Lösung der globalen Wasserkrise. Er erläutert, wie diese porösen Strukturen Wasser aus der Luft gewinnen können und diskutiert die Kommerzialisierung dieser Technologie sowie die Notwendigkeit der Grundlagenforschung. Zudem reflektiert Umayagi über seine Kindheit in Jordanien, seinen Weg in die USA und die Rolle von Chemie als Flucht vor der Realität. Er beschreibt den wissenschaftlichen Wandel von einer Ära der Knappheit hin zu einer durch KI gestützten Selektionswissenschaft, die unendliche Möglichkeiten im Periodensystem eröffnet.

26 Sep. 2026
267-

Bleiben, obwohl man gehen könnte?

In diesem Gespräch mit der Philosophin Svenja Flassböller geht es um die Abkehr von der romantischen Idee der „perfekten Passung“ hin zu einer bewussten Entscheidung für den Partner. Die Sprecherin reflektiert dabei ihre persönliche Entwicklung von einem impulsiven Lebensstil hin zu einer stabilen Ehe und nutzt die Philosophie Sören Kierkegaards, um Konzepte wie Bindung, Freiheit und die Überwindung von Affektlagen zu erläutern. Die Diskussion beleuchtet zudem die Bedeutung von Autonomie innerhalb einer Beziehung sowie die Notwendigkeit psychischer und materieller Unabhängigkeit für wahre Bindung. Abschließend werden Themen wie die Schwierigkeit von Trennungen, das Vermeiden von Idealisierung und die Wichtigkeit einer eigenen Identität jenseits der Partnerschaft thematisiert.

19 Sep. 2026
266-

Warum uns Hunde glücklich machen und Wölfe weise

In diesem Gespräch mit dem Biologen Kurt Kotrschall wird die tiefe, evolutionäre Verbindung zwischen Mensch, Hund und Wolf beleuchtet. Der Experte erläutert, dass die Domestikation des Hundes auf einer sozialen Kooperation basiert, die bereits vor 40.000 Jahren begann, und dass diese Beziehung für die menschliche Entwicklung essenziell ist. Der Beitrag thematisiert zudem die ethischen Herausforderungen der modernen Veterinärmedizin sowie das Spannungsfeld zwischen Mensch und Wolf, wobei der Wolf als politisch aufgeladene Symbolfigur analysiert wird. Abschließend wird die Notwendigkeit eines neuen Menschenbildes diskutiert, das Tiere als Mitgeschöpfe betrachtet und den Schutz von Ökosystemen als existenzielle Notwendigkeit betont.

12 Sep. 2026