00:03
ARD Sounds Ein Sommerabend in Brandenburg. Drei Männer treffen sich auf dem Grundstück eines Freundes. Das haben sie schon öfter gemacht. Man kennt sich, redet über Geschäfte, trinkt gemeinsam ein Bier.
00:23
Doch an diesem Abend ist etwas anders. Ein kurzer heftiger Wortwechsel, ein Streit und dann nur noch Wut. Tödliche Wut.
00:38
Im Visier. Verbrecherjagd in Berlin und Brandenburg. Ein Podcast vom rbb.
00:48
Mit Elvira Siebert. Meiner Kollegin im Fahndungsmagazin Täter, Opfer, Polizei im Rundfunk Berlin-Brandenburg. Und mit Uwe Madl.
00:56
Dem Mann, der viele Geschichten hier bei unserem Podcast von Anfang an begleitet hat als Autor und Moderator der Sendung Täter, Opfer, Polizei. Gemeinsam schauen wir hier auf wahre Verbrechen aus Berlin und Brandenburg. Mehr davon finden Sie in der ARD Sounds App.
01:11
Unsere Folge heute ist ein echter Berlin-Brandenburg-Fall, obwohl es beide Bundesländer damals so noch nicht gab, Ende der 80er Jahre. Da war Berlin noch in Ost und West geteilt und das ganze Land auch. Wir gehen heute zurück in den Sommer 88, in das Jahr vor dem Mauerfall. Und genau in diesem Sommer wird in Ost-Berlin am östlichen Stadtrand eine Leiche gefunden. Und alle, die damals dabei waren, das sage ich schon mal vorab, werden diesen Anblick nie vergessen.
01:39
Dazu gehören auch zwei Mordermittler, die Sie hier bei Im Visier schon mehrfach gehört haben. Es geht um Thomas Sindermann und Bernd Boris. Beide haben damals für die sogenannte Morduntersuchungskommission Römisch 2 gearbeitet in Berlin. Thomas Sindermann war sogar deren Chef. Mit beiden sprechen wir heute über diesen besonderen Fall.
02:09
Dann also los hinein in den Sommer 88. In den Ostberliner Bezirken Marzahn und Hellersdorf wird noch immer viel gebaut. Wohnungen, Kaufhallen, Polykliniken. Auch in der Stendaler Straße in Hellersdorf entsteht gerade eine neue Polyklinik, also ein Gesundheitszentrum. Im Videocast sind jetzt ein paar Bilder aus Hellersdorf zu sehen, so wie es damals Ende der 80er Jahre aussah.
02:31
Am 17. Juli 1988, das war ein Sonntag, fällt noch in der Nacht gegen 2.25 Uhr einer Volkspolizeistreife in Hellersdorf etwas auf. Und zwar ein VW Golf, der im Baustellenbereich dieser noch zu bauenden Polyklinik steht. Es ist ein ganz merkwürdiger Abstellort hinter der Baustellenabsperrung. Dazu noch ein Golf, ein Westauto also. Die erste Vermutung der Volkspolizisten ist natürlich... Da waren Autodieber am Werk.
03:02
Deshalb schauen Sie sich den Wagen auch genauer an.
03:04
Und Sie entdecken, der Golf hat ein DDR-Kennzeichen. Und das beginnt mit den Buchstaben E, Y. Wer in der DDR groß geworden ist, der weiß, das E steht damals für den Bezirk Frankfurt-Oder. Jeder Bezirk hatte eigene Buchstaben. Autokennzeichen in Berlin zum Beispiel begannen immer mit einem I. Und da ich selbst in Frankfurt-Oder groß geworden bin, hatte der Familientrabi ein I.
03:27
Ein E auf dem Autokennzeichen, genau.
03:30
Aber zurück zum Golf, der ja in Berlin steht, in einer Baustelle für eine Polyklinik, aber offenbar im Bezirk Frankfurt-Oder zugelassen war. Merkwürdig ist auch, dass Autos nicht verschlossen. Sogar der Zündschlüssel hat im Schloss gesteckt. Wer hat den Wagen in dieser Baustelle abgestellt? Auch beim Blick durch die Seitenscheibe ist zunächst nichts Verdächtiges zu erkennen.
03:54
Doch als die Streifenpolizisten dann die Heckklappe öffnen, das schlägt ihnen ein beißender Gestank aus Fäulnis und Säure entgegen. Dort im Kofferraum liegt die verstümmelte Leiche eines Mannes. Ein bizarrer Anblick, denn der Tote ist nackt und teilweise von Säure zerfressen. Außerdem, und jetzt Vorsicht für alle empfindlichen Seelen, man hat ihm den Penis abgeschnitten und in den eigenen Mund gesteckt.
04:22
Also das ist ein Bild, das garantiert einen Schock auslöst. Trotzdem schaffen es diese beiden Streifenpolizisten erst mal das zu tun, was sie gelernt haben. Sie handeln nach Vorschrift. Thomas Sindemann beschreibt, wie die Abläufe damals sind.
04:37
Die machen gar nichts. Die sichern den Tatort und rufen dann über ihre Leitstelle unseren Kriminaldauerdienst an. Der saß im Präsidium.
04:47
Und der entscheidet dann, wie es weitergeht und logischerweise holt er als erstes generelles Prinzip den Zuständen Bereitschaftsdienst der Mordkommission. Und das war der eine Kollege, der zwar gar nicht in eine andere Mordsache involviert war, aber er hatte Dienst, also musste er erstmal hin und er ist dorthin als Erster, generell bei allen Mordsachen so, dass eigentlich der Erste von der MOK da reingeht und auch keinen anderen ranlässt.
05:13
Der erste Ansprechpartner bei den Mordermittlern ist damals ein Kollege von Thomas Sindermann. Den Bereitschaftsdienst hat in dieser Juli-Nacht die Morduntersuchungskommission Römisch 1, also die andere der beiden Mordkommissionen in Berlin. Und dieser Kollege ist dann auch nach Hellersdorf zum Fundort der Leiche gefahren und hat zunächst alles Notwendige organisiert.
05:34
Und normalerweise ist es dann so, dass diese Bereitschaftsmordkommission dann diesen Fall auch komplett übernimmt und weiter ermittelt. Aber diesmal wird anders entschieden.
05:44
Wir hatten zu der Zeit mehrere Tötungsverbrechen in Berlin. Deswegen waren wir ziemlich enge mit dem Personal. Und der erste Kollege, der von Strausen war, Taubi, der war ganz stark involviert in eine Mordsache.
05:58
Hinzu kommt in diesem Fall die Frage, war das überhaupt ein Fall für die Berliner Mordermittler? Der Wagen hatte ja ein Kennzeichen aus dem Bezirk Frankfurt, oder? Und wie es aussah, war der Fundort der Leiche ganz sicher nicht der Tatort. Vermutlich ist der Wagen einfach nur dort abgestellt worden in der Baustelle. Was also, wenn der Tatort irgendwo im Bezirk Frankfurt lag?
06:22
Ja, dann gilt das Tatortprinzip. Ermittelt wird dort, wo der Mord passiert ist und nicht dort, wo die Leiche abgelegt wurde. Doch noch war ja gar nicht klar, wer der Tote ist und wo er umgebracht wurde. Nur die Wahrscheinlichkeit, dass er außerhalb Berlins im Bezirk Frankfurt-Oder ermordet wurde, war recht hoch. Und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann die Staatsanwaltschaft Frankfurt-Oder die Ermittlungen übernehmen wird.
06:46
Richtig, wobei auch die Morduntersuchungskommission in Frankfurt gerade absolut viel Arbeit hatte und kaum freie Kapazitäten hatte.
06:55
Und ich glaube, auch die Frankfurt-Oder-Leute hatten auch eine Mordsache zu diesem Zeitpunkt. Und das waren ja weniger Leute als wir.
07:02
Und diese Mordsache, von der Thomas Sindermann eben sprach, ist ein Fall, der uns hier im Podcast auch schon beschäftigt hat. Und zwar der Mord an der Schülerin Maja S., den wir vor zwei Jahren besprochen haben. Ein sehr tragischer und auch komplizierter Fall, der die Mordermittler damals in Frankfurt-Oder quasi rund um die Uhr beschäftigt hatte.
07:22
Also es gab viele Fälle, wenig Kapazitäten in Frankfurt, aber auch in Berlin. Und dennoch muss natürlich erstmal die normale Ermittlungsarbeit anlaufen an diesem Juli-Sonntag 1988 in Hellersdorf. Die erste Frage ist natürlich, wer ist dieser Tote eigentlich? Der Mann ist nackt im Auto, hat keinerlei Papiere bei sich und auch in diesem VW Golf findet sich nicht das, was man als Identifikation nutzen könnte.
07:51
Die erste Spur ist natürlich klar, das Auto selbst. Also wem gehört es, auf wen ist es zugelassen? Und ist diese Person vielleicht sogar der Tote im VW-Golf? Viele solcher Fragen haben die Ermittler in Berlin schon im Laufe des Sonntags klären können. Da haben die DDR-Strukturen mal ganz gut funktioniert.
08:10
Also wenn wir was wissen wollten beim Überhalter oder alle möglichen anderen Registratoren, die es so gab, waren wir ziemlich schnell. Und da wurde uns auch ziemlich schnell zugearbeitet.
08:21
Das heißt, schnell wird klar, der Besitzer des Autos heißt Detlef J., ist 32 Jahre alt, Familienvater und wohnt in Strausberg. Und er ist vermutlich auch der Tote im Auto. Einen Tag später wird ihn seiner Ehefrau identifizieren.
08:36
Einmal mehr muss jetzt diese Frage gestellt werden, welche Mordkommission übernimmt jetzt diesen Fall? Das Opfer kommt aus Strausberg. Der Fundort der Leiche ist Berlin. Fundort ist nicht gleich Tatort. Der Tatort ist dennoch unbekannt. Keine einfache Entscheidung.
08:53
Ja, deshalb gab es zunächst auch so ein paar Unstimmigkeiten zwischen den Staatsanwaltschaften, die ja die Ermittlungsführer sind. Aber am Ende fällt eine klare Entscheidung. Die Berliner ermitteln weiter, selbst für den Fall, dass der Tatort im Bezirk Frankfurt-Oder liegen sollte.
09:08
Wir waren da zwei MOKs, wir wurden da extra aufgestockt und selbst diese beiden MOKs waren ja dann noch aufgeteilt. Also ich bin ja auch nach Strausberg nicht mit der vollen Montur, sage ich jetzt mal, mit allen Leuten raus. Wir waren vier oder fünf, die da draußen waren.
09:24
Das heißt, einen Tag nach dem Leichenfund, am Montag, den 18. Juli, fährt Thomas Sindermann mit seinem Team nach Strausberg und steigt in die Ermittlungen ein.
09:34
Wir haben dann erstmal unser Quartier aufgeschlagen, was ja auch immer nötig ist, wo wir uns dann alle sammeln müssen. Das war direkt auf der Inspektion in Strausberg. Das haben wir aber am nächsten Morgen gemacht. In so einer kleinen Baracke hatten wir dann zwei oder drei Räume und die Kollegen dort vor Ort waren unheimlich hilfsbereit.
10:00
Man hat uns sogar gleich ein Zimmer zur Verfügung gestellt, wo wir auch schlafen konnten, was wir uns nie genutzt haben. Wir wollen dann durchziehen, weil wir wollen so schnell wie möglich fertig werden.
10:09
Ja, dann wird durchgezogen. Zuerst gab es wichtige Infos aus der Gerichtsmedizin. Todesursache, Zitat, Schädel und Schädelbasisbruch mit Hirnprellung durch vielfaches Einwirken mit stumpfer Gewalt auf Kopf und Hals. Das heißt, Detlef J. ist brutal erschlagen worden. Das Abschneiden des Penis ist erst post mortem, passiert also nach Eintritt des Todes, genau wie das Übergießen des Opfers mit Salzsäure.
10:36
Und noch eine wichtige Erkenntnis bringt die Obduktion. Der Todeszeitpunkt liegt ein bis zwei Tage vor dem Auffinden der Leiche. Entdeckt wurde der Tote ja in der Nacht zum Sonntag, zum 17. Juli. Aber Detlef J. ist vermutlich schon am 15. Juli getötet worden. Das war ein Freitag. Als er im Kofferraum seines Autos gefunden wird, war der Fäulniszustand schon recht weit fortgeschritten, was wahrscheinlich an den sommerlichen Temperaturen lag.
11:04
Also das sind die ersten Erkenntnisse. Man weiß, wer das Opfer ist, man weiß, wie er getötet wurde. Man kennt auch den Tatzeitraum, wenn auch recht ungenau. Dann jedoch gibt es eine Spur und die führt in den engsten Umkreis des Opfers.
11:29
Nach ihrem Umzug nach Strausberg checken die Mordermittler aus Berlin natürlich zuerst das Umfeld des Opfers. Hatte der Familienvater Detlef J. vielleicht Feinde? Wer könnte ihm so etwas antun? Ihn umbringen und dann nackt und verstümmelt und mit Säure übergossen im eigenen Auto irgendwo abstellen?
11:50
Auf der Suche nach einem Motiv und vor allem nach mehr Informationen zum Opfer fährt Mordkommissionschef Thomas Sindermann als erstes zur Ehefrau von Detlef J. in das Einfamilienhaus der Familie in Strausberg.
12:03
Ich kann mich komischerweise an die Frau erinnern. Sofort, ich habe die für mich vor Augen. Aber die war ziemlich ruhig, zurückhaltend. Nicht etwa, wie man es heutzutage im Film sieht, dass die da hysterisch rumspringt oder sonst was. Habe ich mich selten erlebt. Sondern die sind immer erst ziemlich gefasst und in sich gekehrt. Weil sie auch das alles erst mal verarbeiten müssen.
12:23
Hinweise für ein Motiv kann die Ehefrau erstmal nicht liefern, aber sie hilft bei der Rekonstruktion des wahrscheinlichen Tattages des Freitags eben. Sie erzählt, dass sich ihr Mann, wie so häufig an einem Freitag, mit seinen Freunden getroffen hätte, dass er dann nicht nach Hause gekommen sei, das wäre nicht ungewöhnlich gewesen, denn die Männer hätten oft viel getrunken und dann bei dem einen oder anderen eben sich ausgeschlafen.
12:48
Aber vielleicht war er gar nicht bei seinen Freunden. Vielleicht hat er bei einer anderen Frau übernachtet und dann könnte Eifersucht ein Motiv sein und der abgeschnittene Penis eine Art Rache. Vielleicht war der Täter ein eifersüchtiger Ehemann, der den Nebenbuhler ein für alle Mal loswerden wollte. Auch den Gedanken hatten wir logischerweise am Anfang.
13:10
Ja, aber den haben wir da eigentlich ziemlich schnell verworfen.
13:15
Das heißt nicht, dass wir nebenbei auch noch in diesen Bereichen jetzt ermittelt haben oder uns informiert haben. Aber da deutete überhaupt nichts darauf hin.
13:23
Also wird weiter in andere Richtungen ermittelt und alles zusammengetragen, was sich über das Opfer herausfinden lässt. Detlef J. war 32, Familienvater, hatte keine Vorstrafen und arbeitete damals als Elektroinstallateur bei einer kleinen Firma in Strausberg. Sein Chef sagte über ihn, er war hilfsbereit und offen.
13:44
Andere beschreiben ihn als einen Menschen, der ziemlich umtriebig war. Er kannte viele Leute, knüpfte schnell Kontakte, hatte immer irgendein Geschäft zu laufen. Heute würde man sagen, er war ein guter Netzwerker, auch über die Grenze hinaus in Richtung Westberlin.
13:59
Ja, er hat dann aber auch gern mit seinen Westkontakten geprahlt. Selbst sein Auto ist so eine Art Symbol dafür gewesen. 1977 hatte die DDR vereinbart, 10.000 VW-Golfs importieren zu können. Damals ein sogenanntes Kompensationsgeschäft. Die DDR zahlte für die Golfs mit hochwertiger Technik, zum Beispiel aus dem VEB Karlsheiß-Jena.
14:23
Und VW wollte sich im Osten einfach einen Absatzmarkt erschließen.
14:28
Die Autos kosteten anfänglich zwischen 27.000 und 35.000 DDR-Mark, also eine Menge Geld. Man musste schon sehr gute Beziehungen haben und auch viel Glück, um eines zu ergattern. Der HLFJ hatte das alles offenbar. Später sind die Preise für die Westautos dann auf dem Schwarzmarkt sehr hoch gestiegen. Manche haben bis zu 100.000 Mark für so einen Golf 1 bezahlt.
14:51
Ja, und Detlefjord liebte Autos, auch alte Autos. Und diesen Hinweis wiederum fanden die Ermittler um Thomas Sindermann recht interessant.
14:59
Wir haben festgestellt, dass er aus der Autoszene kam. Also die Autoverkäufe, wo Wagen relativ billig gebraucht wurden, angekauft wurden und zu Rentenpreisen verkauft wurden, war ja auch kein Problem bei uns.
15:12
Ja, und aus dieser Szene kamen auch einige seiner Freunde. Freunde, mit denen er viel Zeit verbrachte und mit denen er auch bei diesen Autoverkäufen gutes Geld verdiente.
15:22
Dann haben wir angefangen, nach und nach, um diese Person zu ermitteln. Wir haben uns auch mit denen unterhalten, also die wurden auch alle schon befragt, wann sie ihn zum letzten Mal sehen haben und wie ihr Verhältnis zu ihnen war. Also die Freundschaft haben sie alle.
15:37
bestätigt und dass sie mit ihm viel zu tun hatten. Der engste Freundeskreis sind vier junge Männer, alle Ende 20, Anfang 30. Die kennen sich über die Arbeit, feiern gern zusammen und machen auch das eine oder andere Geschäft miteinander. Mit einem dieser Freunde verbringt Detlef J. besonders viel Zeit, Jürgen S., 28 und gelernter Kfz-Schlosser.
15:59
Beide Männer verbindet die Leidenschaft fürs Schrauben, also fürs Autoreparieren. Und das tun sie dann häufig nach Feierabend, auch für zahlende Kunden. Das war in der DDR ja durchaus üblich, denn einen Termin in so einer richtigen Werkstatt zu bekommen, das war oft nur schwer möglich. Es sei denn, man hatte die blaue Fließe dabei.
16:19
Ja, kenne ich auch noch. Blaue Fliesen, das war das Codewort für Westgeld, für D-Mark und hatte mit der Blaufärbung des 100-D-Mark-Scheines zu tun. Detlef J. und sein Schrauberfreund Jürgen jedenfalls machen gute Geschäfte. Sie kaufen auch kaputte Autos auf, reparieren sie und verkaufen sie dann aufgehübscht und teuer weiter. Gern auch Westautos und gern auch für Westgeld. Tja, vielleicht ist ja bei diesen Geschäften irgendetwas aus dem Ruder gelaufen mit tödlichen Folgen für Detlef J. Wäre denkbar und es gibt ja auch noch die anderen beiden Freunde in diesem Quartett in der Clique, die jetzt auch überprüft werden.
16:58
Genau, es geht um Klaus B. und Andreas H., so heißen die beiden. Aber ihre Hobbys sind nicht unbedingt Autos. Klaus B. ist gelernter Steinmetz. Er ist 27 Jahre alt und arbeitet in der Schulverwaltung in Strausberg als Beifahrer. Er wird als großspurig beschrieben, als jemand, der gerne über seine Verhältnisse lebt.
17:19
Deshalb auch das eine oder andere nicht ganz legale Geschäft zu laufen hat. Und er hat Schulden und zwar bei allen seinen Freunden.
17:28
Aber auch Klaus B. ist zu diesem Zeitpunkt nicht auffällig geworden, nicht vorbestraft. Es gibt auch keine Stasi-Akte zu ihm, wie wir jetzt recherchiert haben. Er war nach außen sehr angepasst und sogar Jugendbeistand beim Kreisgericht in Strausberg.
17:42
Der vierte im Bunde ist der Andreas H., der ist 31, gelernter Betonfacharbeiter und jetzt Kraftsportler. Er lebt allein, er trinkt recht viel und genau darum hat ihn auch seine langjährige Freundin verlassen, mit der er ein gemeinsames Kind hat. Auch Andreas H. wohnt in Strausberg und er ist der einzige der vier mit einem Eintrag im Strafregister. Er ist nämlich vorbestraft wegen vorsätzlicher Körperverletzung.
18:11
Das klingt nach einer, sagen wir, interessanten Truppe, auch einer interessanten Konstellation innerhalb dieser Truppe. Alle vier sind mehr oder minder in illegale Geschäfte verwickelt, aber doch befreundet. Und plötzlich ist einer dieser vier tot, ermordet, verstümmelt, quasi entsorgt und weggeworfen.
18:30
Doch wo genau ist diese grausame Tat verübt worden? Die Ermittler kommen da bisher einfach nicht weiter, bis sie den Hinweis auf ein geheimnisvolles Grundstück bekommen.
18:46
Wo könnte dieser Mord passiert sein? Nirgends findet sich eine Spur, ein Anhaltspunkt. Deshalb sind auch keine Durchsuchungen von Wohnungen und Grundstücken möglich. Dafür braucht es ja einen konkreten Verdacht, einen Anfangsverdacht. Aber genau den gibt es nicht und deshalb eben auch keinen Durchsuchungsbeschluss.
19:02
Dabei wäre es, wenn man dann den Ort hat, Einfach nachzuweisen, ob der Tatort wirklich der Tatort ist. Denn so brutal wie Detlef J. erschlagen wurde, muss es dort Blutspuren geben. Und zwar reichlich. Selbst Putzen würde nicht helfen. Aber die Ermittlungen stehen ja erst am Anfang.
19:21
Ich habe logischerweise auch andere Leute überprüft. Nicht nur diese drei. Es gab ja noch andere Personen, die dann da hätten eine Rolle spielen können bei dem Opfer. Und auch die wurden alle geprüft.
19:34
Ergebnislos. Aber die Ermittler geben nicht auf. Und dann fällt Thomas Sindermann eine Bemerkung der Ehefrau von Detlef J. ein, dem Mordopfer. Eine Bemerkung, die eher so nebenbei fiel.
19:47
Genau, sie hatte nämlich erzählt, dass es in Bruchmühle bei Strausberg ein Grundstück gäbe, das Jürgen S. gehört, also dem Schrauberfreund von ihrem Mann. Und dass ihr Mann und dieser Jürgen S. meist auf diesem Grundstück an ihren Autos geschraubt hätten. Und genau dorthin wollte ihr Mann am Freitagabend zu einem Treffen mit seinem Freund Klaus B. Der ist der, der bei allen Schulden hat.
20:14
Ist da vielleicht irgendetwas eskaliert? Thomas Sindermann macht sich gemeinsam mit einem Kollegen auf den Weg, um sich dieses Grundstück in Bruchmühle anzuschauen, etwa zehn Kilometer von Strausberg entfernt.
20:26
Wir hatten kein Tatort bis dato und sind dann dorthin. Es war relativ ruhig dort. Also uns hat auch keiner groß festgestellt. Das war auch am Rande der Kleingartenanlage, dieser Bungalow. Und wir haben erstmal logischerweise durch die Fenster geguckt, nichts gesehen.
20:43
Also es gibt offenbar keine von außen sichtbaren Kampf- oder Blutspuren in diesem Bungalow. Heißt wieder Pech, wieder kein Tatort.
20:52
Naja, also die beiden Ermittler entscheiden sich jetzt spontan auch mal im Bungalow nachzuschauen und steigen, ich sag mal, nicht ganz legal durch ein nur angelehntes Fenster ein und siehe da Volltreffer.
21:06
Es war alles, ich sag mal, voll Blut gespritzt.
21:09
Es war wie ein größerer Raum, der so etwas abgetrennt war. Und der eine Raum war völlig... Also man hat gesehen, dass da was stattgefunden hat. Wahrscheinlich stumpfe Gewalt auf dem Kopf. Das ist ja dann in der Regel so, wenn es einmal an dir blutet und du haust dann mehrfach hin, dann ist hier alles voll. Das ist ja, als ob ich in einen Wassereimer hole. Und dann war für uns die Sache klar. Wir haben das Ding wieder zugemacht und sind dann nochmal den offiziellen Weg gegangen.
21:38
Klar, jetzt drückt natürlich die Kriminaltechnik an, ganz offiziell und auch mit allen Genehmigungen. Und dann steht fest, das ist tatsächlich der Tatort, dieser Bungalow-Inbruchmühle. Die Blutspuren stammen eindeutig von Detlef J., der in diesem Bungalow ermordet worden ist.
21:56
Und damit stehen jetzt zwei Männer unter dringendem Tatverdacht. Der Besitzer des Bungalows, Jürgen S. und Klaus B., mit dem er offenbar an diesem Freitagabend dort verabredet war. Beide Männer werden am 22. Juli 1988 festgenommen, fünf Tage nach dem Fund der Leiche.
22:13
Was die Ermittler zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, auch der vierte in diesem Freundesquartett, Andreas H., war an diesem Abend mit auf dem Grundstück in Bruchmöhler. Doch was wollten die Männer von Detlef J.?
22:37
Ja, was ist das Motiv? Warum wird ein Mann ganz offensichtlich von seinen Freunden umgebracht und die Leiche dann nackt mit abgeschnittenem Penis in seinem Auto nach Berlin gefahren und dort abgestellt?
22:50
Antwort darauf erhoffen sich Thomas Sindermann und sein Team jetzt von den Tatverdächtigen. Am besten wäre es, wenn sie Geständnisse bringen. Noch am späten Abend des 22. Juli, also des Tags der Festnahme, beginnen die Vernehmungen.
23:04
Die Vernehmungen liefen parallel.
23:09
jeweils zwei Verleber und jeweils eine Schreibkraft. Ich war davor.
23:14
um auf bestimmte Sachen zu reagieren. Man muss ja auch, wenn die irgendeinen Hinweis geben oder sonst was, sofort Maßnahmen einleiten, wo man schnell da mal hin muss, was überprüfen oder sonst was. Unser Kriminaltechniker war auch mit bei mir.
23:29
Die Staatsanwälte war auch bei. Bernd Boris war damals einer der Vernehmer in Strausberg. Zunächst sitzt Jürgen S. vor ihm, der Besitzer des Gartens, in dem der Mord geschah, der Schrauberfreund von Detlef J. Bernd Boris hat ihn so erlebt.
23:44
Ja, ich will nicht sagen, ein Typ, der jedem alles recht machen wollte, aber schon so in die Richtung ging, der aber war nicht, der hätte die Tat nicht ausgeführt.
23:59
Also nicht Tatbestandsmerkmale erfüllt. So, ja, Begünstigung, Beihilfe, ja, aber das andere hätte ich ihm persönlich nicht zugetragen.
24:11
Ja, und dieser Eindruck von Bernd Boris trügt offenbar nicht, denn Jürgen S. hat für diesen Freitagabend ein Alibi. Er war gar nicht auf dem Grundstück, er war bei einer Party. Aber er hatte die Verabredung mit organisiert und zwar auf Bitte von Klaus B. Er hatte dem späteren Opfer Ort und Zeit genannt und war einverstanden, dass sich die Männer in seinem Garten treffen.
24:38
Was Klaus B. genau mit Detlefjord besprechen wollte, wusste er nicht und auch nicht, dass der dritte Freund Andreas H., der Kraftsportler, ebenfalls mit dabei sein würde. Deshalb geht es jetzt in der Vernehmung von Jürgen S. erstmal nur um ihn selbst und um sein Motorrad, eine Yamaha-Maschine.
24:55
Das war seine größte Sorge. Er hatte seine Yamaha und ihm war klar, dass er jetzt in Haft geht und wer kümmert sich da, dass die nicht gestohlen oder wie auch anders wegkommen. Es ging jetzt nicht darum, dass die bei der Polizei bleibt, sondern das war seine Sorge. Also wie aus der Pistole geschossen, haben die noch irgendwas? Ja, mit dem Motorrad.
25:22
Auch die Vernehmung von Klaus B., der ja das Treffen mit Detlef J. unbedingt wollte, beginnt am 22. Juli 1988. Laut Protokoll exakt um 23.58 Uhr.
25:37
Also kurz vor Mitternacht, denn viel Zeit hatten die Ermittler nicht, wenn sie die beiden Verdächtigen einem Haftrichter vorführen wollten.
25:44
Und rein rechtlich von der Strafprozessordnung her habe ich ja nur die Möglichkeit, den innerhalb von 24 Stunden, spätestens bis zum Ablauf des folgenden Tages, vorzuführen, eine Entscheidung herbeizuführen.
26:00
Es ist also mitten in der Nacht, als Klaus B. bei den Polizisten ist. Ein aufregender, langer Tag liegt bereits hinter dem Beschuldigten und auch hinter den Kriminalisten natürlich. Aber die Ermittler wollen jetzt nicht aufhören. Sie wollen den Druck aufrechterhalten.
26:17
Und das machen sie absolut rechtskonform, denn Beschuldigte haben die Möglichkeit, eine solche nächtliche Vernehmung auch abzulehnen. Doch Bernd Boris klärt und erklärt das sofort.
26:29
Die zweite Frage in der Vernehmung, nachdem man ihm mitgeteilt hat, wessen er beschuldigt wird, ist, ob er sich in der Lage fühlt, der Vernehmung zu folgen.
26:38
Das hat er bejaht und dann war es okay.
26:41
Also kein Problem für den Beschuldigten. Und auch Thomas Sindermann, der Chef des Ermittlerteams, war nicht unglücklich wegen dieses nächtlichen Termins.
26:51
Es lässt sich schlicht und einfach nachts leichter arbeiten für uns. Und es geht, auf gut Deutsch gesagt, gehen auf den Sack. Erstmal kriegen schon in Inspektion viele das nicht mit. Da sieht die Ene das und die andere das. Ach, jetzt haben sie den, jetzt haben sie den. Und dann geht es rum ins Straßberg, bevor wir überhaupt was gemeldet haben. Sondern die werden dann...
27:11
diskret gebracht und bei uns hingesetzt. Und wir mussten noch keine große Meldung bis dato machen. Uns hat doch gar keiner gefragt bis zu dem Zeitpunkt. Und dann wurde die Sache nachts durchgezogen und die Vernehmungen wurden abgeschlossen.
27:27
Also jetzt läuft auch die Vernehmung von Klaus B., dem Mann, der das Treffen auf dem Grundstück von Jürgen S. eingefädelt hatte. Und Bernd Borges stellt fest, der agiert und reagiert ganz anders als sein Kumpel Jürgen S. zuvor.
27:41
Der war schon sehr überlegt, hat schon gewusst, was er erzählen will, kann und darf. Also der hat sich schon als derjenige gesehen, der über den Dingen steht und die anderen sind seine Ihr Hilfen, seine ihm unterstellten, kurz und knapp, der Spiritus Rector.
28:17
Und dann gibt es eine Überraschung. Und das schon zu Beginn der Vernehmung. Klaus B. gesteht sofort, ja, er habe seinen Freund Detlef J. getötet und zwar ganz allein. Er habe auch die Leiche ins Auto des Toten gepackt und nach Berlin gefahren, ebenfalls allein. Und dann sei er nach Hause getrammt. Er nimmt die ganze Schuld auf sich. Einfach so.
28:39
Einfach so. Ein bisschen merkwürdig.
28:43
Auch die Ermittler bleiben da skeptisch. Allein so eine schwere Leiche ins Auto zu schleppen, ist ohne Hilfe kaum möglich. Aber jetzt haben Sie erstmal diese Aussage und damit natürlich auch ein Geständnis. Bleibt die Frage nach dem Motiv. Es war ja eine Tat unter Freunden.
29:01
Ja, auch dazu äußert sich Klaus B. Und um das zu verstehen, holen wir jetzt ein bisschen weiter aus und schauen uns nochmal die Situation in dieser Freundesgruppe an. Denn die vier Männer machen die Geschäfte nicht nur mit anderen Leuten außerhalb der Clique, sie machen ihre Deals auch untereinander.
29:18
Wenn einer gerade klamm ist, dann wird sich gegenseitig Geld geborgt. Für den Ankauf eines neuen Autos zum Beispiel. Oder irgendein anderes Geschäft, ob legal oder illegal. Man hilft sich.
29:29
Beim Thema Geld borgen ist Klaus B. besonders aktiv. Bernd Borges hat ihn vorhin ja schon als sehr großspurig, ja fast ein bisschen überheblich beschrieben. Er kommt aus einer renommierten Medizinerfamilie in Strausberg und war es offenbar gewöhnt, immer wieder ein bisschen mehr Geld als andere zu haben. Und das wollte er jetzt offenbar weiterleben.
29:49
Dafür reicht aber leider sein Lohn als Beifahrer in der Schulverwaltung nicht aus. Immer wieder pumpt er deshalb seine Freunde an und hat bei jedem von ihnen Schulden, jeweils mehrere tausend DDR-Markt.
30:03
Sein Geschäftsmodell innerhalb dieser Gruppe ist der illegale Handel mit Medikamenten. Er nutzt dafür den Kontakt zu einem Mann, der für den Pharmaziehandel der DDR Medikamente ausliefert, an Arztpraxen, Krankenhäuser und Apotheken. Darunter auch das berühmte, berüchtigte Oral-Turinabol.
30:21
Wer unseren Videocast anschaut, der sieht jetzt gerade eine Oral-Turinabol-Packung mit diesen kleinen blauen Pillen, die ja zunächst mal ein Medikament waren für Menschen, die nach einer schweren Operation schnell wieder Muskelmasse aufbauen sollten. Dann wurden die Pillen aber als Dopingmittel im Leistungssport eingesetzt. Auch bei Freizeitsportlern, vor allem in der Kraftsportszene, war das Anabolikum sehr begehrt.
30:47
Aber wie gelang es jetzt, an diese Medikamente heranzukommen, ohne dass das auffiel? Der Fahrer des Pharmaziehandels nutzte dafür eine eigentlich ganz simple und durchaus legale Möglichkeit. Bernd Boris erklärt uns das.
31:00
Der Pharmaziehandel der DDR, der lag für die Region Berlin-Brandenburg in Fürstenwalde. Dort sei auch dieser Fahrer beschäftigt gewesen. Und es war nicht unüblich, dass die Fahrer oder dass den Fahrern ein gewisser Anteilbruch gestattet wurde, ohne dann irgendwelche Untersuchungen von Seiten des Arbeitgebers oder des VEB-Pharmaziehandels einzuleiten.
31:38
Und das war natürlich bei ihm immer Oralturbiner Bull, bezeichnenderweise, obwohl da ja nichts kaputt gehen konnte. Jetzt fanden ja alle in diesem Blister.
31:47
Das heißt, dieser Fahrer meldete also im Pharmaziehandel ganz offiziell den Verlust von Medikamenten. Dass das vor allem Oral-Turinabol war, schien niemanden aufzufallen. Der Fahrer verkaufte die Tabletten dann an Klaus B. weiter, weil der einfach bessere Kontakte in die Kraftsportszene hatte und diese Anabolika für gutes Geld weitergeben konnte, natürlich illegal.
32:12
Und mit entsprechender Handelsspanne für ihn natürlich. Also er hat verdient dabei. Und hier kommt auch der vierte im Bunde ins Spiel, nämlich Andreas H., der selbst Kraftsportler war. Er trainierte häufig und sehr intensiv in einem privaten Fitnessstudio in Straußberg. Und genau dort fanden sich dann auch zahlungskräftige Abnehmer für das Oral-Turiner-Bull.
32:30
Das klingt alles nach einem perfekten Netzwerk. Doch auch bei Andreas H. hat Klaus B. Schulden wieder mehrere Tausend DDR-Mark. Das ist also das Umfeld, in dem jetzt ein Konflikt entsteht, der am Ende zum Mord führt, zum Tod von Detlef J.
32:53
Klaus B. erzählt in der Vernehmung, dass alles etwa ein halbes Jahr vor dem Mord angefangen hat, im Spätherbst 1987. Er hat eine neue Lieferung Oral-Torinabol vom Pharmaziefahrer bekommen und dafür etwa 1600 Mark bezahlt. Doch diesmal gibt es eine neue Idee. Detlef J., das spätere Opfer, schlägt vor, man könnte die Medikamente ja über seine Kontakte in West-Berlin verkaufen oder auch in Westdeutschland. Das würde deutlich mehr Geld einbringen. Bei einem guten Umtauschkurs West-Ost bis zu 30.000 DDR-Mark.
33:27
Das klingt erstmal nach einem lukrativen Geschäft. Klaus B. sollte von diesem Verkaufserlös etwa 8.000 Mark als Anteil bekommen und hätte dann natürlich erstmal ein paar Geldsorgen weniger gehabt. Er stimmt also zu und gibt die Anabolika an Detlef J. weiter. Der wiederum verspricht ihm, seinen Anteil, also diese 8000 Mark, bis zum Februar 88 auszuzahlen.
33:53
Doch trotz mehrfacher Nachfragen von Klaus B. passiert nichts. Es fließt kein Geld. Stattdessen fordert Detlef J., dass Klaus B. erst mal seine Schulden bei ihm bezahlen solle. Und als Klaus B. dann auch noch von seinem Freund Andreas H. zu hören bekommt, bitte zahl mir deine Schulden zurück, da fühlt er sich mächtig unter Druck.
34:13
Klaus B. sieht jetzt nur noch einen Ausweg. Er will Detlef J. selbst unter Druck setzen.
34:19
Er will seinen Anteil haben. Deshalb die Verabredung im Garten von Jürgen S. Wie es dort weitergeht, schildert Klaus B. in der Vernehmung. Hier ein kurzer Auszug aus dem Protokoll.
34:31
Der Detlef J. stand auf der Terrasse des dort befindlichen Bungalows. Ich sprach ihn daraufhin an, wie lange ich mir das noch gefallen lassen muss. Daraufhin sagte er mir so ungefähr, »Jungchen, was willst du denn von mir?« »Kleiner«, hat er gesagt, nicht »Jungchen«. Daraufhin sagte ich dann, »Detlef, mach keine Scheiße. Von der Sache her habe ich ihn fast angebettelt. Ich brauchte das Geld.« Er sollte mir wenigstens einen Teil geben. Daraufhin sagte er, du kannst ja mal zur Polizei gehen, die wird dir bestimmt weiterhelfen.
35:05
Danach hat er sich rumgedreht und ist reingegangen.
35:08
Und jetzt, so erzählt es Klaus B. in der ersten Vernehmung, jetzt sei er ausgerastet und hinterhergerannt und dann sei das Ganze im Bungalow eben eskaliert. Er hätte Detlef J. schlagen und dann die Leiche weggefahren.
35:21
Um nicht in Verdacht zu geraten, kam er auf die Idee mit dem abgeschnittenen Penis. Er wollte die späteren Ermittlungen in Richtung gehörnter Ehemann und Mord aus Eifersucht lenken.
35:31
Das also ist sein erstes Geständnis mitten in der Nacht in Strausberg. Und dann zum Schluss betont Klaus B. noch, dass ihm das alles sehr leidtun würde. Kurz vor drei, nach drei Stunden Befragung, unterschreibt er das Protokoll.
35:47
Dass Klaus B. so schnell gestehen würde, damit hatten die Ermittler um Thomas Lindermann nicht gerechnet. Für sie ist es ein Erfolg. Draußen wird es fast schon wieder hell. Ins Bett will jetzt keiner mehr. Die Mordermittler aus Berlin haben eine andere Idee. Immerhin liegt Straußberg am Straußsee.
36:05
Dann, wie gesagt, war der krönende Abschluss, wo wir nach den Vernehmungen... zur Wache gegangen sind, haben uns Handschücher geben lassen und sind alle in den davor liegenden See gesprungen. Das war ein herrlicher Abschluss für uns. Dann haben wir aufgeräumt und sind verschwunden nach Berlin.
36:20
Also Tatort gefunden, ein rasches Geständnis, die Ermittler könnten zufrieden sein. Aber war wirklich alles so, wie Klaus Bies voller Reue und sehr anschaulich geschildert hat?
36:41
Sieben Tage nach dem Mord an Detlef J. aus Strausberg legt der mutmaßliche Täter ein Geständnis ab. Ein zweiter Verdächtiger sitzt wegen des Verdachts der Beihilfe ebenfalls in Untersuchungshaft. Ein schneller Erfolg für das Team von Thomas Sindermann, das am Ende sogar baden geht. Also Ende gut? Alles gut?
37:03
Wenn wir so fragen, natürlich nicht. Die Geschichte ist an dem Punkt noch nicht zu Ende. Es gibt ja noch ein paar Fragen, auf die die Mordermittler trotz Geständnis noch keine passenden Antworten gefunden haben.
37:15
Klaus B. hat zwar die ganze Schuld auf sich genommen und den Tathergang irgendwie schlüssig geschildert, aber schlüssig ist ja nicht gleich glaubwürdig und realistisch. Das wissen erfahrene Ermittler wie Bernd Boris natürlich.
37:29
Erst war wichtig, dass wir ein Geständnis bekommen, was sich in die objektive Spurenlage einordnen ließ. Das war insofern richtig. Die Fragen werden dann im weiteren Verfahren durch die bekannten Sachbearbeiter, die das Ermittlungsverfahren dann zum Abschluss bringen, geklärt.
37:53
Und wir sind ja dann als Kommission auch gefragt, weitere belastende und entlastende Punkte zu bringen. Wichtig war, ihn so festzunageln, dass es die Möglichkeit gibt, hinterher an den Stellen, die unklar sind, einzuhaken.
38:21
Eine solche unklare Stelle war vor allem die Frage, ob Klaus B. wirklich alles allein durchgezogen haben kann, wie er behauptet hat. Daran zweifeln die Mordermittler am allermeisten.
38:32
Es hat sicherlich auch schon das ganze Tatgeschehen hergegeben, dass er nicht allein hat. Tätig war, man muss ja diese Leiche auch erst mal verbringen. Und so leicht war der auch nicht.
38:45
Die Leiche. Wie schwer war der Leichnam? Den entkleiden? Kann das einer entkleiden? Da darf dann schon von jedem Sachbearbeiter Zweifel angemeldet werden.
38:59
Man muss ihn in den Kofferraum kriegen und da muss einer wegfahren, der andere fährt mit dem Auto mit und alles.
39:04
Die Ermittler sind sich eigentlich sicher, dass dieser Klaus B. die ganze Aktion, also den Mord und den Transport der Leiche nach Berlin-Hellersdorf, nicht allein durchgezogen haben kann. Aber er bleibt bei seiner Aussage. Und es gibt zunächst auch keinen Hinweis darauf, dass zum Beispiel Andreas H., also der Vierte in diesem Quartett, irgendwie daran beteiligt war.
39:28
Aber dann, dann hilft den Ermittlern die vorhin schon mal beschriebene Großspurigkeit und offenbar auch Eitelkeit von Klaus B.
39:36
Dann hat der erste Beschuldigte im Verwahrraum in einem eine Haftanstalt, darüber gesprochen, diese Informationen kamen zu uns, dass er das nicht allein gemacht hat.
39:54
Aha, also doch. Klaus B. erzählt einem Zellenachbarn im Gefängnis, dass er mit der Polizei gewissermaßen Schach gespielt hätte. Er prallt mit seinem genialen Manöver, dem abgeschnittenen Penis und dem Entkleiden der Leiche. Und er erzählt auch, die Polizei hatte ihm das abgekauft, dass er das alleine gemacht hätte.
40:14
Das war natürlich nicht so, aber den Kumpel, seinen Partner, würde er nie verraten. Das ist natürlich eine Information, mit der die Ermittler etwas anfangen können. Auf genau so etwas haben sie gewartet.
40:25
Der zweite Tatbeteiligte, der war ja, spielte ja schon am Rande immer eine Rolle. Es war nur nicht klar, in welcher Tatbeteiligung er dort involviert war.
40:39
Ja, und dieser Zweite direkt an der Tat Beteiligte, das konnte nur Andreas H. sein, der Bodybuilder, der Kraftsportler. Jetzt haben die Ermittler endlich einen Grund, auch ihn festzunehmen und intensiv zu befragen.
40:52
Am 23. August 1988, also gut vier Wochen nach der Verhaftung von Klaus B. und Jürgen S., klicken noch einmal die Handschellen. Wobei, das stimmt diesmal nicht ganz, wie Bernd Boris uns erzählt.
41:06
Also ich kann mich erinnern, als wir den festgenommen haben, dass der Hände hatten, wo wir mit der Handfessel nicht um die Handgelenke kamen, sondern das mit einer Fußfessel gemacht haben. Weil das war wirklich ein großer, kräftiger Mann. Und der war noch viel leichter.
41:32
Beim Geständnis. Der hat dann gesagt, ja, hat er alles für den B gemacht und will ihm ja nicht ungerecht gegenüber treten. Aber das hellste Licht auf der Torte war er nicht.
41:42
Also jetzt gibt es quasi zwei Geständnisse von zwei Tatbeteiligten. Und nach und nach können die Ermittler aus den Aussagen der beiden Männer die tatsächlichen Abläufe in der Mordnacht zusammensetzen. Und die sind wirklich fast filmreif.
41:57
Klaus B. hatte sich mit Detlef J. für den Abend des 15. Juli, also diesem Freitag, auf dem Grundstück von Jürgen S. in Bruchmühle verabredet. Es sollte um das Geld für das Oral-Turiner-Buhl gehen. Jürgen S. weiß davon und hatte nichts dagegen. Er erinnert Detlef J. am Freitagnachmittag sogar noch einmal an das geplante Treffen.
42:21
Am Tag zuvor bereits hatte Klaus B. seinen, wie wir wissen, sehr kräftigen Freund Andreas H. gebeten, bei dem Treffen dabei zu sein. So könne man gemeinsam mehr Druck auf Detlefjord ausüben. Klaus B. holt Andreas H. gegen 19 Uhr mit dem Auto ab und dann fahren die beiden gemeinsam zum Grundstück von Jürgen S.
42:40
Als die Männer dann zur verabredeten Zeit in Bruchmühle eintreffen, ist Detlef J. schon da. Sein VW Golf steht direkt vor dem Gartentor. Das Gespräch auf der Terrasse dreht sich dann sofort um das Geld, das sie ja von Detlef J. haben wollten. Aber der kontert mit der Bemerkung, und das haben wir schon im ersten Geständnis von Klaus B. gehört, Klaus B. habe ja selber Schulden bei ihm und Er könne ja zur Polizei gehen, wenn er glauben würde, ihm stünde das Geld zu.
43:11
Offenbar ist genau das der Augenblick, in dem aus der Idee, Angst zu erzeugen und Druck aufzubauen, Aggression und Wut werden. Klaus B. hatte zum Treffen einen schweren Meißel mitgebracht und Andreas H. in die Hand gedrückt, damit er noch bedrohlicher wirkt. Doch jetzt, als die Männer in den Bungalow gehen, schlägt Andreas H. plötzlich zu und trifft mehrfach den Kopf von Detlef J.
43:35
Der sackt sofort auf die Knie und als er versucht wieder aufzustehen, da schlägt ihm dann Klaus B. eine Tischplatte. Mit solcher Wucht auf den Kopf, dass die Platte zerbricht. Detlef J. liegt jetzt reglos auf dem Boden.
43:50
Für Thomas Sindermann ist diese Hemmungslosigkeit leider ein typisches Verhalten von Gewalttätern. Er hat so etwas schon oft gesehen.
43:57
Man steigert sich darin in einen Wahn.
44:01
Ich kenne kaum eine Sache, wo einer nur einmal zugestochen hat oder nur einmal zugeschlagen hat. Die hauen immer weiter rein. Deswegen hassen wir auch diese Tatorte, die manchmal durch die ganze Wohnung in Mitleidenschaft gezogen waren.
44:18
Die sind nicht mehr bei sich. Und das ist leider bei solchen Sachen normal. Das Opfer muss ruhig sein. Der darf nicht mehr Opfer haben. Der darf nichts mehr sagen.
44:27
Nachdem Detlef J. reglos und voller Blut am Boden liegt, gehen beide Männer davon aus, dass ihr Opfer tot ist. Andreas H. will am liebsten einfach abhauen, aber Klaus B. fällt ein, dass ihr Kumpel Jürgen S. ja von diesem Treffen weiß und dass es sein Bungalow ist. Also muss die Leiche beseitigt werden. Dafür haben die beiden zwar keinen Plan, aber planlos handeln sie nicht.
44:50
Denn zunächst entkleiden sie ihr Opfer komplett und stopfen die Sachen in zwei Plastikbeuteln. Und dann macht Klaus B. etwas, das schon sehr nach einer überlegten Handlung aussieht. Denn er schneidet mit einem Küchenmesser dem Toten den Penis ab und steckt ihn in dessen Mund.
45:09
Sein Gedanke dabei, Detlef J. ist zwar verheiratet und Vater von zwei Kindern, aber er ging öfter mal fremd, auch an diesem Bungalow seines Freundes Jürgen. Und daran so erzählt das Klaus B. auch in der zweiten Vernehmung dann, hat er sich in diesem Augenblick erinnert. Seine Hoffnung, er kann jetzt eine falsche Spur legen und alles so aussehen lassen, wie den Racheakt eines eifersüchtigen Ehemannes.
45:32
Gemeinsam wuchten die beiden Männer später den nackten Toten in den Kofferraum des VW Golf. Dann fährt Klaus B. mit dem Golf. Und Andreas H. mit dem Trabant, mit dem beide gekommen waren, Richtung Berlin und stellen den Golf dort auf einem Parkplatz ab. Danach fahren sie mit dem Trabi wieder nach Strausberg.
45:53
Aber hier ist die Geschichte noch immer nicht zu Ende. Denn noch weiß der Vierte in dieser Truppe Jürgen Est nicht, was da auf seinem Grundstück und in seinem Bungalow passiert ist. Wie wird er reagieren? Immerhin hat er mit Detlef J. und dem gemeinsamen Basteln an alten Autos viel Zeit verbracht.
46:18
Am nächsten Morgen, es ist jetzt Sonnabend, erzählt Klaus B. seinem Freund Jürgen S. zunächst mal nur, es habe da leider eine Schlägerei gegeben in seinem Bungalow. Da sei auch Blut geflossen und er müsse wohl sauber machen. Jürgen S. verspricht, dass er sich darum kümmern würde.
46:37
Als er dann wirklich nach Bruchmühle fährt zum Bungalow und all die Blutspuren sieht, wird ihm sofort klar, hier reicht einfach sauber machen nicht aus. Die Bastmatten auf dem Boden waren blutdurchtränkt, die Wände voller Blutspritze und er ahnt, das hier war mehr als nur eine Schlägerei.
46:54
Zur Polizei geht er nicht.
46:57
Klaus B. nutzt den Sonnabend dann für einen Familienausflug mit Frau und Sohn nach Frankfurt-Oder. Man besucht die Schwiegereltern. Als er dort ist, fährt er kurz nach Rosengarten, das ist ein Ortsteil von Frankfurt, und vergriebt dort im Wald die Beutel mit der Bekleidung von Detlef J. Eine blutige Tischdecke, in der die Leiche getragen wurde und den Meißel. Dort werden sie später dann auch gefunden.
47:23
Ja, und dann geht es weiter. Noch am selben Tag, am Samstagabend, am Tag nach dem Mord, treffen sich Klaus B. und Jürgen S. mit ihren Ehefrauen in einer Gaststätte in Strausberg. Die beiden Männer beschließen, nach dem Abendessen noch gemeinsam mit dem Trabant von Jürgen S. nach Berlin zu fahren, angeblich in eine Nachtbar.
47:42
Das Lockangebot von Klaus B. Er verspricht Jungen S. auf dieser Fahrt endlich zu erzählen, was am Tag zuvor im Bungalow mit Detlef J. passiert ist.
47:53
Das macht er dann auch und holt noch dazu, bevor sie starten, einen gut gefüllten 10-Liter-Kanister von zu Hause und stellt ihn ins Auto.
48:02
Und dann fahren sie gemeinsam zu dem Parkplatz, auf dem er am Abend zuvor den VW Golf geparkt hatte. Dort steigt er in den Golf um und fährt ihn in die nahegelegene Baustelle an der Stendarder Straße in Hellersdorf. Hier übergießt er die Leiche im Kofferraum mit der Flüssigkeit aus dem Kanister. Es ist Salzsäure.
48:24
Klaus B. hofft auf diese Weise, möglichst viele Spuren zu verwischen und die Identifizierung des Toten vor allem zu erschweren. Dann schließt er den Kofferraum, läuft zurück zum Auto von Jürgen S. Als die beiden danach noch einmal am Golf vorbeifahren, bemerken sie, dass Streifenpolizisten die Leiche gerade entdeckt haben.
48:50
Ja, was für eine Geschichte und das gewissermaßen unter Freunden. Man kannte sich gut, kannte die Familien, hat gemeinsam gefeiert und Geschäfte gemacht und dann wird einer umgebracht wegen ein paar tausend Mark.
49:02
Naja, aber wir kennen ja auch alle den Spruch bei Geld hört bekanntlich und so weiter. Aber es ist in der Tat schwer nachzuvollziehen. Vor allem, dass alle zunächst mitmachen und dann auch schweigen. Spannend ist jetzt, was das Gericht dazu sagt. Es galt ja noch DDR-Recht.
49:19
Genau, das schauen wir uns jetzt gemeinsam an. Obwohl die Ermittlungen von Berlin aus geführt worden sind, geht das Verfahren dann doch zurück nach Frankfurt-Oder und wird auch dort verhandelt vor dem ersten Strafsenat des Bezirksgerichts Frankfurt-Oder.
49:32
Am 6. Oktober 1989 fällt das Urteil. Klaus B. und Andreas H., das war ja der Kraftsportler mit dem Meißel, werden wegen gemeinschaftlichen Mordes verurteilt. Klaus B. zu 15 Jahren Freiheitsstrafe und Andreas H. zu 13.
49:49
Jürgen S. muss für drei Jahre ins Gefängnis. Ihm wird Beihilfe und Vertuschung einer Straftat vorgeworfen. Er hatte ja versucht, die Spuren im Bungalow zu beseitigen und ist dann mit Klaus B. gemeinsam zur Leiche gefahren und hat ihm dort gewissermaßen Beistand geleistet. Und all das ohne später die Polizei zu informieren.
50:08
Klaus B. und Andreas H. gehen nach dem ersten Verfahren in Berufung. Deshalb wird der Fall dann noch einmal vom obersten Gericht der DDR behandelt und zwar im Januar 1990 vom 5. Strafsenat. Klaus B. hatte zum Beispiel behauptet, Er sei selbst von Andreas H. mit Gewalt bedroht worden und habe Detlef J. mit der Tischplatte vor den Schlägen von Andreas H. nur schützen wollen. Dabei sei sie dann eben die Tischplatte aus Versehen auf dessen Kopf gefallen.
50:39
Das ist natürlich kompletter Quatsch.
50:41
Das Gegenteil ist richtig. Auch im neuen Prozess wird klar, es war der Schlag mit der Tischplatte, der am Ende zum Tod von Detlef J. geführt hat. Die Platte ist aber ja sogar zerbrochen.
50:53
Aber die Angeklagten bekommen zumindest in einem Punkt recht. Das oberste Gericht sagt, es war kein gemeinschaftlicher Mord. Es gab keine gemeinsame Verabredung, Detlef Jörg zu töten. Man wollte eigentlich nur Geld von ihm und dann ist alles eskaliert.
51:09
Am 22. Januar 1990 fällt dann das endgültige Urteil. 14 Jahre Gefängnis für Klaus B. heißt das, wegen Mordes und 11 Jahre Gefängnis für Andreas H. wegen versuchten Mordes. Die Haftstrafen wurden also leicht reduziert. Das Urteil gegen Jürgen S. blieb davon unberührt.
51:29
Ja, und was bleibt jetzt noch? Bis heute weiß man nicht, was eigentlich mit dem Oral-Turinabol passiert ist. Dem Medikament, dem Dopingmittel, das Klaus B. an Detlefjord übergeben hatte und das Detlefjord ja im Westen verkaufen wollte. Gewissermaßen der Auslöser für diesen tödlichen Konflikt.
51:45
Tja, aber ob diese Medikamente jemals im Westen ankamen und wer dann die Abnehmer waren, Das spielte in beiden Mordprozessen keine Rolle mehr. Wir haben in der Stasi-Unterlagenbehörde dazu recherchiert, aber auch dort nichts gefunden, was diese Medikamentenfrage beantworten könnte.
52:03
Ja, das ist das Ende unserer Geschichte heute. Es waren einmal vier Männer, vier Freunde. Dann waren es nur noch drei und alle drei mussten ins Gefängnis, weil sie den vierten umgebracht hatten. Inzwischen konnten alle drei wieder neu starten. Nur der vierte, Detlef J., hatte diese Chance nicht.
52:31
Vielen Dank fürs Zuhören heute. Wir sind im Visier Verbrecherjagd in Berlin und Brandenburg.
52:36
Nächste Woche wieder Crime History und wir dann in 14 Tagen.
52:41
Und bis dahin können Sie sich ja mal selbst als Ermittler versuchen, denn das Tatort Game 3 ist da.
52:47
Jetzt bist du dran.
52:50
Ihr habt eine Chance, mich zu retten.
52:52
Aber ihr müsst euch auf das Spiel einlassen.
52:54
Ein Wettlauf gegen die Zeit. Übernimm die Ermittlungen.
52:58
Das wird sicher kein einfacher Fall.
53:00
Aber Vorsicht! Jede Entscheidung hat Folgen.
53:04
Ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit.
53:05
Das Online-Game zum TV-Krimi. Löse den Fall. Jetzt unter tatortgame.de
53:13
Ja, und mehr von im Visier finden Sie natürlich in der AD Sounds App. Uns gibt es ja auch als Videoformat bei YouTube und bei Spotify. Und wie immer freuen wir uns über freundliche Kommentare und eine gute Bewertung.
53:27
Danke, dass Sie heute bei uns waren. Auch heute darf am Ende ein Gedanke nicht fehlen. Der ist uns wirklich wichtig. Das Böse ist vor allem die Abwesenheit von Empathie. Also egal, was Sie jetzt noch tun, bitte seien Sie empathisch. Das Leben ist zu kurz, um böse zu sein.
53:49
Im Visier Verbrecherjagd in Berlin und Brandenburg ist eine Produktion des rbb. Manuskript Katrin Heim, Redaktion Jörg Simon, Moderation Uwe Madl und Elvira Siebert.
54:03
Im Visier Verbrecherjagd in Berlin und Brandenburg. Ein Podcast vom rbb.