Zusammenfassung der Episode
2025 waren wir Live beim Literaturdistrikt-Festival in Essen, um über Literatur und Zeitenwende zu sprechen, Passagen aus wichtigen Klassikern der (Anti-)Kriegsliteratur vorzutragen und um über Oles Buch „Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde“ zu diskutieren. Hier ist der Audio-Mitschnitt der Veranstaltung, in der wir vom aktuellen Diskurs ausgehend zu Erich-Maria Remarque, Ernst Jünger, Bertolt Brecht, Celine und weiteren Autoren zurückkehren, die sich literarisch mit dem Krieg auseinandergesetzt haben. Das Literaturdistrikt-Festival 2025 wurde gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, vom Kulturamt der Stadt Essen und von der Kunststiftung NRW. Website: www.literaturdistrikt.de
2025 waren wir Live beim Literaturdistrikt-Festival in Essen, um über Literatur und Zeitenwende zu sprechen, Passagen aus wichtigen Klassikern der (Anti-)Kriegsliteratur vorzutragen und um über Oles Buch „Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde“ zu diskutieren. Hier ist der Audio-Mitschnitt der Veranstaltung, in der wir vom aktuellen Diskurs ausgehend zu Erich-Maria Remarque, Ernst Jünger, Bertolt Brecht, Celine und weiteren Autoren zurückkehren, die sich literarisch mit dem Krieg auseinandergesetzt haben. Das Literaturdistrikt-Festival 2025 wurde gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, vom Kulturamt der Stadt Essen und von der Kunststiftung NRW. Website: www.literaturdistrikt.de
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Wie Literatur den Krieg verarbeitet! – Literaturdistrikt 2025
Gehört2025 waren wir Live beim Literaturdistrikt-Festival in Essen, um über Literatur und Zeitenwende zu sprechen, Passagen aus wichtigen Klassikern der (Anti-)Kriegsliteratur vorzutragen und um über Oles Buch „Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde“ zu diskutieren. Hier ist der Audio-Mitschnitt der Veranstaltung, in der wir vom aktuellen Diskurs ausgehend zu Erich-Maria Remarque, Ernst Jünger, Bertolt Brecht, Celine und weiteren Autoren zurückkehren, die sich literarisch mit dem Krieg auseinandergesetzt haben. Das Literaturdistrikt-Festival 2025 wurde gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, vom Kulturamt der Stadt Essen und von der Kunststiftung NRW. Website: www.literaturdistrikt.de
Ep. 374: Volkswagen und das Ende der Sozialpartnerschaft
GehörtDie Krise bei Volkswagen verschärft sich weiter. Die Konkurrenz aus China und das schlechte Management der vergangenen Jahre haben dazu geführt, dass der Absatz von VW-Autos rückläufig ist. Jetzt soll der Konzern wettbewerbsfähig gemacht werden, indem man knapp ein Sechstel der Stellen abbaut und die verbliebenen Arbeiter enorme Kürzungen hinnehmen. Von dem "Erfolgsmodell Sozialpartnerschaft" kann nicht mehr länger die Rede sein, wenn sechs Urlaubstage gestrichen werden sollen und die Arbeiter bei gleichem Gehalt länger arbeiten müssen. Auch die Übernahme von Auszubildenden steht zur Disposition. Die IG Metall zeigt sich zwar kampfbereit, die Frage ist jedoch, ob man zu radikalen Schritten willens ist und ob sie noch rechtzeitig etwas ändern können. VW-Chef Blume möchte trotz der harten Einschnitte nicht von einer Schrumpfkur sprechen. In Wahrheit erlebt die Belegschaft genau das. Diese Kürzungen werden über den VW-Konzern hinaus Signalwirkung haben. Mehr dazu von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in der…
Ep. 373: Freerk Huisken und die Schule im Kapitalismus
GehörtWozu ist die Schule da? Oft hört man den Satz, dieses oder jenes lerne man fürs Leben – gemeint ist aber in der Regel: für das Leben im Kapitalismus. Die Schule als Institution bildet das Konkurrenzsubjekt heraus, das schon früh einübt, was in der demokratisch organisierten Marktwirtschaft einmal wichtig sein wird. Das Notensystem sowie die dreigliedrige Aufteilung der Schulen sorgt für Sortiermechanismen, wie sie für die kapitalistische Produktion nützlich sind. Zudem lernt ein jeder Schüler, sich artig zu disziplinieren. Nicht die Bildung steht im Vordergrund, sondern ein instrumentelles Lernen ist das Ziel. Dabei wird das Subjekt zum einen in seinem Selbstwert bestätigt, zum anderen aber erlebt es ständige Enttäuschungen, an denen es wachsen soll, um sich erneut in den Konkurrenzkampf zu wagen. In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ sprechen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über die Schulkritik von Freerk Huisken. Literatur/Quellen: Freerk Huisken: Schule, die 5. Gewalt. Die Zurichtung des…
Mutige Frauen und wilde Streiks: Gün Tanks Roman DIE OPTIMISTINNEN
GehörtDie Geschichte der Gastarbeiter in Deutschland ist noch immer unterbelichtet, vor allem ist beinahe in Vergessenheit geraten, wie viele Frauen aus der Türkei und anderen Ländern in den 1960er- und 1970er-Jahren nach Deutschland kamen, um hier zu arbeiten und ihre Familien zu ernähren. In dem Roman „Die Optimistinnen“ setzt ihnen Gün Tank ein Denkmal und zeigt, wie sehr sich diese Frauen in den Arbeitskampf eingemischt haben – gegen alle Widerstände. Gewerkschaftlich nicht organisiert, von den Betriebsräten oft ignoriert, gingen die Gastarbeiterinnen zu wilden Streiks über, um ihre Interessen zu vertreten. Sie kämpften für bessere Wohn- und Arbeitsbedingungen und sie kämpften gegen die finanzielle Diskriminierung in Form von Leichtlohngruppen. Unter diesem Terminus verstand man Arbeiten, die angeblich leicht zu verrichten waren, von Frauen ausgeführt wurden und deshalb schlechter bezahlt waren als dieselben Tätigkeiten der Männer. In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“-Literatur sprechen Ole Nymoen und…
Ep. 372: Louis Althusser und die ideologischen Staatsapparate
GehörtWie kommt die Ideologie in die Köpfe? Mit dieser Frage beschäftigt sich der französische Philosoph Louis Althusser in seiner Schrift zu den „Ideologischen Staatsapparaten“. In einer Zeit, in der die Kirchen erheblich an Macht eingebüßt haben, übernehmen vorwiegend die Schulen die Aufgabe, die kapitalistische Ideologie zu vermitteln. In der Schule werden sie alle ausgebildet, die künftigen Arbeiter und Kapitalisten sowie die Ideologen und Politiker. Der Kapitalismus muss auch geistig reproduziert werden, um sich reproduzieren zu können, zeigt Althusser in seiner berühmten Schrift, die noch weitere Ideologische Staatsapparate ausmacht, auch wenn diese – wie etwa die Familie – gar nicht direkt vom Staat gesteuert werden. Dass die Ideologie den Bürger erreicht, liegt nicht zuletzt auch an der Subjektwerdung, der durchaus ein unterwerfender Charakter innewohnt. In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ diskutieren Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über Althussers Ideologietheorie. Literatur: Louis Althusser:…
Speakeasy #36: Walter Benjamin und die Ästhetik des Faschismus
GehörtIn der neuen Speakeasy-Bar sprechen wir zunächst über die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin, denn oft wird das Konzept des taktischen Wählens ventiliert, um angeblich den Rechtsruck zu verhindern. Geht es den Parteien wirklich darum? Danach diskutieren wir ausführlich über eine ARD-Doku mit dem Titel „Die da unten“, in der es um die Ungleichheit in Deutschland geht. Interviewt werden sowohl Bürger mit wenig Gehalt oder kleiner Rente als auch Millionäre und Milliardäre von der Stiftung Familienunternehmen, bei deren Tagung im Hotel Adlon in Berlin auch Kanzler Friedrich Merz spricht, um den Reichen ein paar Tipps zu geben. Selten war die Klassengesellschaft so transparent zu sehen, dennoch führt dies bei der Durchschnittsbevölkerung nicht zu Wünschen nach mehr Umverteilung. Stattdessen sind sie von nationalistischen, autoritären und sozialdarwinistischen Phantasien beherrscht. Anschließend sprechen wir ausführlich über die Ästhetisierung der Politik und die Politisierung…
Ep. 371: Wie autoritär ist der rechte Postliberalismus?
GehörtWas wollen die rechten Postliberalen? Wie auch die linken Vertreter des Postliberalismus lesen sich manche Vorschläge solide sozialdemokratisch: Monopole sollen bekämpft, Arbeitnehmerrechte gestärkt und Familien besser unterstützt werden. Wie bei den linken Postliberalen wollen auch die Rechten das Christentum und seine Werte zur Grundlage der Gesellschaft erklären, dabei sind sie aber wesentlich autoritärer: Patrick J. Deneen, der inzwischen J. D. Vance berät, hat in seinem Buch „Why Liberalism Failed“ zunächst das Scheitern der Liberalen erklärt, um nun in seinem Buch „Regime Change“ einen Aristopopulismus herbeizuschreiben, bei dem Elite und Volk miteinander verschmelzen – nicht im Sinne einer Demokratisierung, lediglich bessere Eliten sollen her. An dieser Stelle wird es endgültig obskur. In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ sprechen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über den rechten Postliberalismus. Literatur: Patrick J. Deneen: Regime Change. Toward a Postliberal Future, Sentinel. Ders.: „Wir…
Speakeasy #36: Wieso "Taktisch wählen" ein Fehler ist!
GehörtIn der neuen Speakeasy-Bar sprechen wir zunächst über die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin, denn oft wird das Konzept des taktischen Wählens ventiliert, um angeblich den Rechtsruck zu verhindern. Geht es den Parteien wirklich darum? Danach diskutieren wir ausführlich über eine ARD-Doku mit dem Titel „Die da unten“, in der es um die Ungleichheit in Deutschland geht. Interviewt werden sowohl Bürger mit wenig Gehalt oder kleiner Rente als auch Millionäre und Milliardäre von der Stiftung Familienunternehmen, bei deren Tagung im Hotel Adlon in Berlin auch Kanzler Friedrich Merz spricht, um den Reichen ein paar Tipps zu geben. Selten war die Klassengesellschaft so transparent zu sehen, dennoch führt dies bei der Durchschnittsbevölkerung nicht zu Wünschen nach mehr Umverteilung. Stattdessen sind sie von nationalistischen, autoritären und sozialdarwinistischen Phantasien beherrscht. Anschließend sprechen wir ausführlich über die Ästhetisierung der Politik und die Politisierung…
Meisterwerke: Sturmhöhe. Mit Wolfgang und Mithu Sanyal
GehörtWir danken dem Literaturforum im Brecht-Haus, dass wir auch diese Ausgabe von "Meisterwerke der Literatur und was sie uns lehren" als Podcast veröffentlichen dürfen. © Eine Veranstaltung des Literaturforums im Brecht-Haus Mehr Informationen zum Literaturforum im Brecht-Haus findet ihr hier: www.lfbrecht.de Social Media: @lfbrecht Telegram-Kanal: https://t.me/literaturforumimbrechthaus
Ep. 370: Linker Postliberalismus – Deutschland, aber sozial?
GehörtDer Postliberalismus ist ein Begriff, der in Großbritannien und den USA schon seit einigen Jahren kursiert, jetzt wird er auch in Deutschland immer häufiger diskutiert. Dieses Konzept, das sich vom Liberalismus lösen will, ohne gänzlich auf seine Errungenschaften zu verzichten, gibt es in mehreren Versionen. Während im Umkreis von JD Vance ein rechter Postliberalismus ins Spiel gebracht wird, gibt es auch eine linke Version, die sich an der Sozialdemokratie wie an der katholischen Soziallehre orientiert, aber mehr möchte, als bloß eine weitere Kritik des Neoliberalismus zu artikulieren. Um Staatskunst geht es gleichermaßen wie um „Seelenkunst“, so formuliert den holistischen Ansatz jedenfalls der Politikwissenschaftler Adrian Pabst. Der progressive Liberalismus der Linken und der Marktliberalismus der Rechten seien eine unheilige Allianz eingegangen, jetzt gelte es, diesen Liberalismus zu überwinden, um zu einer postliberalen, auf das Gemeinwohl konzentrierten Wirtschaft und Gesellschaft zu gelangen, die…
Ep. 369: Wie die AfD in Sachen-Anhalt REGIEREN will!
GehörtUlrich Siegmund ist als Gute-Laune-Kandidat zum Star der AfD geworden. Wenn er tatsächlich Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt werden sollte, verspricht er einen radikalen Politikwechsel. Gilt das auch für die Wirtschafts- und Sozialpolitik? Das Wahlprogramm seiner Partei ist 160 Seiten lang, schier endlos reihen sich kulturkämpferische Forderungen aneinander, doch es gibt auch eine Sozial- und Wirtschaftspolitik, auf die man sein Augenmerk legen sollte. Durchaus finden sich doch sozialdemokratische Forderungen, zumindest punktuell,. Insgesamt aber sind der AfD die Hände gebunden – und wo nicht, da fesselt sie sich selbst, weil sie nach wie vor für eine orthodoxe Steuer- und Austeritätspolitik steht. In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ analysieren Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt das AfD-Wahlprogramm für Sachsen-Anhalt. Literatur: Maurice Höfgen: https://www.geldfuerdiewelt.de/p/wirtschaftspolitik-der-afd-made-in Studie des Leibniz Instituts:…
Eigentum und Überwachung: Der Räuber Hotzenplotz (Otfried Preußler)
GehörtIn den 1960er und 1970er-Jahre erscheinen die drei Kinderbücher über den Räuber Hotzenplotz, die eine Millionenauflage erreichten und diverse Verfilmungen und Theateradaptionen erlebten. Otfried Preußler konstruiert ein Idyll aus Figuren des Kasperletheaters und erzählt drei Geschichten, die über die Eigentumsverhältnisse Auskunft geben und Kindern erklären, was gut und recht ist. Der Räuber Hotzenplotz stiehlt zu Beginn der Reihe die Kaffeemühle von Kasperls Großmutter. Wachtmeister Dimpfelmoser nimmt den Fall auf, stürzt sich jedoch nicht gerade mit Elan in die Ermittlungen. Kasperl und Seppel hingegen nehmen die Spur auf und wollen den Räuber überführen. Der Autor hat immer betont, dass er mit der Hotzenplotz-Reihe keine Botschaft vermitteln wollte, geschweige denn eine Ideologie. Dennoch sind die drei Romane nicht frei davon. In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“-Literatur sprechen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über die drei Romane und diskutieren über die bürgerliche Eigentumsordnung, die…
Ep. 368: Mamdani sagt Amazon den Kampf an!
GehörtZohran Mamdani ist nun acht Monate im Amt und legt sich weiterhin mit dem Kapital an. Die konservative Presse schäumt. Derzeit kämpft Mamdani gegen Amazon und seine Struktur von Subunternehmen in New York City. Konkret geht es um die „Delivery Service Partners“ von Amazon. Der Konzern bestimmt Routen, Zeitvorgaben, Leistungsquoten, die Kleidung und teilweise sogar, wen die Partner beschäftigen dürfen. Arbeitsrechtlich treten jedoch die lokalen kleinen Unternehmen als Arbeitgeber auf. Externalisiert wird auf diese Weise jedes Arbeitsrisiko und die Beschäftigten haben größte Schwierigkeiten, ihre Rechte wahrzunehmen. Mitunter werden sie um ihren Lohn geprellt. Genau diese Trennung von Kontrolle und Verantwortung will Mamdani nun beenden. In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ sprechen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über das absurde System aus Subunternehmen. Literatur/Quellen: Mamdanis Kampagnenvideo: https://www.youtube.com/watch?v=91DoiansHqk New York Post: "Mamdani goes after Amazon — and shows off…
Ep. 367: Team Freiheit – wie radikal ist die libertäre Anti-Partei?
GehörtEs gibt eine neue Partei: „Team Freiheit“ heißt sie, gegründet wurde sie von der ehemaligen AfD-Politikerin Frauke Petry und dem Kurzzeitministerpräsidenten Thomas Kemmerich. Wem die FDP und die AfD nicht libertär genug sind, soll sich dort aufgehoben fühlen. Verfolgt werden Ideen, die einst Hayek und Friedman ventilierten, um die Staatsquote, die derzeit bei fast 50 Prozent liegt, zu halbieren. Der Sozialstaat soll zusammengeschrumpft werden, als dezidiert „staatsabtragend“ bezeichnet sich die Partei. Dabei tut das dürre Programm so, als gebe es eine grundsätzliche Opposition zwischen Markt und Staat. Dem ist jedoch nicht so. Das wird schon daran offensichtlich, dass die Partei kein kritisches Wort über die enormen Rüstungsausgaben verliert. In Wahrheit ist das „Team Freiheit“ durch und durch staatstragend. Mehr dazu von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“! Literatur/Quellen: Frauke Petry: "Holen wir uns die Freiheit zurück", online verfügbar unter:…
Speakeasy #35: Darf man als Linker nicht mehr andere Linke kritisieren?
GehörtIn der neuen Speakeasy-Bar antworten wir zunächst ausführlich auf unsere Kritiker, die sich über unsere Folge zu Danger Dan echauffiert haben. Es gibt offenbar einige Missverständnisse. Wenn man in der AfD den Hauptgegner erkennt, sollte man dann nicht lieber in die CDU eintreten? Und wie ist es eigentlich mit den linken Grabenkämpfen? Sind die wirklich das Problem? Anschließend beantworten wir Fragen aus der Community, die sich mit einem globalen Sozialismus, einer emotionaleren Argumentation gegen die Wehrpflicht und mit der Sensibilität und gleichzeitigen Härte von Künstlern beschäftigen. Danach beschäftigen wir uns mit der Frage: Ist die AfD die neue Arbeiterpartei? Sieht man sich an, wer sie wählt, mag man zu diesem Schluss kommen. Jedoch sind die Wahlprogramme marktliberal – und interessanterweise wissen das viele AfD-Wähler auch, wie eine neue Studie herausgefunden hat. Eine NDR-Panorama-Reportrage hat zwei Freunde begleitet: beide wählten sie einst die SPD, nun wählt der eine die Linke, der andere…
Ep. 366: War Keynes ein (Post-)Liberaler?
GehörtSchon lange wurde nicht mehr so intensiv über das mögliche Ende des Liberalismus diskutiert. Unter dem Begriff Postliberalismus finden sich rechte wie linke Denker ein, die die liberale Demokratie kritisieren, ihre Institutionen reformieren oder abschaffen und das Wählervotum aufwerten wollen. Auch fragen sie, ob eine auf Individualismus gegründete Gesellschaft ausreichend sein kann, oder ob es doch so etwas wie Gemeinschaft braucht. Interessant ist dabei, dass schon John Maynard Keynes sich die Frage stellte: Bin ich liberal? Keynes erteilte dem Laissez-Faire-Kapitalismus ebenfalls eine Absage, nicht jedoch dem Liberalismus an sich. Dieser sei allerdings zu reformieren, um dem modernen Kapitalismus gewachsen zu sein. Individuelle Freiheiten wollte Keynes durchaus erweitern, aber auch die Hand des Staates gelte es zu stärken und vom Parlament unabhängige Institutionen sollten mehr Macht zugesprochen bekommen. Damit ist selbst im Keynesianismus schon ein Liberalismus angelegt, den die Postliberalen heute…
Ep. 365: Werden Akademiker bald arbeitslos?
GehörtFortschritt und Stagnation können zusammenfallen, ebenso wie Innovation und Arbeitslosigkeit. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) sieht in ihrem Jahresbericht in der KI das Potenzial, die Weltwirtschaft grundlegend zu verändern. Kurzfristig sorgt der KI-Boom für massive Investitionen in Rechenzentren, Halbleiter und Energieinfrastruktur. Langfristig hängt die Wirkung davon ab, ob KI lediglich die Produktivität menschlicher Arbeit erhöht oder selbst zum Motor technologischer Innovation wird. In letzterem Szenario („Transformative AI“) könnte sie Forschung, Entwicklung und anspruchsvolle kognitive Tätigkeiten weitgehend übernehmen und das Wirtschaftswachstum dauerhaft beschleunigen. Gleichzeitig würde jedoch der Anteil der Arbeitseinkommen an der gesamten Wertschöpfung stark sinken. Daraus könnte ein Nachfrageproblem entstehen, wenn breite Bevölkerungsschichten nicht mehr ausreichend am Wohlstandsgewinn partizipieren. Zudem ist unklar, ob die Berufseinsteiger oder eher die Seniors das…
Meisterwerke der NS-Satire – Literaturforum im Brecht-Haus
GehörtWo die politische Wirklichkeit sich in groteske Grausamkeit verwandelt und rechte Akteure von Schicksal und Tiefe raunen, wird das Lachen zum widerständigen Akt. Die literarische Satire blüht immer dann, wenn die Zeiten düster sind. Deshalb mag es nicht verwundern, dass während des Nationalsozialismus viele Literaten zu satirischen Mitteln griffen, um die Lage zu analysieren. Manche dieser Texte sind kaum mehr bekannt, etwa Otto M. Knabs »Kleinstadt unterm Hakenkreuz« (1934) oder selbst Walter Mehrings »Die Nacht des Tyrannen« (1937). Andere Satiren aber erfreuen nach wie vor das Publikum, sind von hoher literarischer Qualität und auch in Neuauflagen auf dem Buchmarkt erhältlich. Im Gespräch geht es um Klaus Manns »Mephisto. Roman einer Karriere« (1936), Bertolt Brechts Stück »Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui« (1941) und um »Dritte Walpurgisnacht« (1933) des Satirikers Karl Kraus. Der Blick soll dabei nicht nur zurück, sondern auch in die Gegenwart führen. Was können literarische Satiren…
Ep. 364: Gute Enteignung, böse Enteignung?
GehörtDie Vergesellschaftung von Wohnraum auf Landesebene will die Bundesregierung grundsätzlich verbieten, damit entmachtet sie die Souveränität der Länder und stellt sich hinter ausländische Investoren, die um ihre Profite bangen. Angeblich würden Kampagnen wie „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ dem Wohnungsbau in Deutschland schaden. Dieser Kampf gegen Vergesellschaftung und Enteignung ist hochinteressant, da in anderen Fällen Eigentum durchaus angetastet wird – aber immer nur dann, wenn es dem Wirtschaftsstandort Deutschland im ganzen hilft. Das wirft auch Fragen für die Linken auf: Manchmal bekam man in den Debatten der vergangenen Jahre den Eindruck, das Grundgesetz selbst bahne den Weg in den Sozialismus, dabei wurde gern übersehen, dass jede Enteignung Entschädigungszahlungen verlangt. Zudem sollten wir das Thema noch auf einer internationalen Ebene betrachten: Der Wirtschaftshistoriker Nicholas Mulder hat festgestellt, dass wir gerade eine große Welle der Verstaatlichung erleben. Dies bedeutet aber…
Wie ausbeuterisch ist die Heimpflege? Dieser Roman gibt Antwort: HALBE LEBEN (Susanne Gregor)
GehörtDie EU verspricht Freizügigkeit und Arbeitsmigration. Auf den ersten Blick sieht es nach einer Win-Win-Situation aus, von der der 2025 erschienene Roman „Halbe Leben“ erzählt. Die Schriftstellerin Susanne Gregor porträtiert zwei Frauen, beide 38 Jahre alt. Aber die Staatsbürgerschaft ist entscheidend, ebenso wie der ökonomische Unterschied: Während die Österreicherin Klara in einem Architekturbüro Karriere macht und kaum noch Zeit hat, sich um ihre Tochter und ihre dement werdende Mutter zu kümmern, wird der Slowakin Paulína durch eben diese Situation ein vergleichsweise lukrativer Job angeboten. Lässt sie ihre beiden Kinder in der Slowakei und arbeitet alle zwei Wochen als Pflegerin bei Klara, scheint allen geholfen zu sein: Klara kann ihre berufliche Laufbahn fortsetzen, Paulína endlich mehr Geld verdienen. Doch dies ist nur ein vermeintlich gleicher und gerechter Tausch. Susanne Gregor analysiert ein intrikates Ausbeutungsmodell, auf dem die Wohlstandsgesellschaften in Österreich und Deutschland aufbauen.…
Ep. 363: Danger Dan und das Elend des Antifaschismus
GehörtDie Musiker Danger Dan und Igor Levit wollten in der Jubiläumsshow der ZDF-Satire-Sendung „Die Anstalt“ auftreten, um dort das Lied „Keine Angst“ zu Gehör zu bringen. Daraus wurde nichts, weil der Sender entschied, dass dieses Lied nicht aufgeführt werden soll. Die Kunstfreiheit ist dadurch nicht gleich bedroht, schließlich macht das ZDF lediglich von seinem Hausrecht Gebrauch. Seit Tagen wird über das Lied und seine Botschaft diskutiert. Auffallend ist, dass in dem siebenminütigen Song ökonomische Fragen keine Rolle spielen. Die Strategien gegen AfD und den Faschismus lesen sich wie aus einem linksaktivistischen Handbuch der 90er-Jahre, mit den realen Machtverhältnissen und einer klugen Strategie hat dies alles nichts zu tun. Das Lied steht sinnbildlich für eine starke Tendenz: Man spricht nicht über ökonomische und politische Zusammenhänge, sondern genießt seine eigene Ohnmacht, die durch halbgaren Aktivismus kaschiert wird. Mehr dazu von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in der neuen Folge von „Wohlstand…
Wie Kohei Saito den Marxismus zu Grabe trägt!
GehörtIn Erfurt hielt die AfD ihren Parteitag ab. Pünktlich konnte dieser beginnen – trotz der Proteste und Blockaden. Die derzeitige Debatte über diesen Aktivismus läuft auf verschiedene Weisen in die Irre, in der Speakeasy-Bar fragen wir deshalb einmal strategisch: Wie sinnvoll ist ein derartiges aktivistisches Vorgehen? Den zweiten Schwerpunkt bildet dann das neue Buch des japanischen Theoretikers Kohei Saito: „Am Ende des Fortschritts. Überleben in den Ruinen des Kapitalismus“ plädiert für Planung und Sozialismus, setzt sich kritisch mit Ulrike Herrmann auseinander und malt in drastischen Worten die Klimakatastrophe aus. Hayek soll mit Marx überwunden werden, um in eine Diktatur der Ökologie zu gelangen. Wir diskutieren in der neuen Speakeasy-Bar intensiv über Saitos kühne Thesen. Unsere Zusatzinhalte könnt ihr bei Apple Podcasts, Steady und Patreon hören – oder über eine YouTube-Kanalmitgliedschaft. Vielen Dank! Apple Podcasts: https://podcasts.apple.com/de/podcast/wohlstand-f%C3%BCr-alle/id1476402723…
Ep. 362: US-Tech-Konzerne und der neue Staatskapitalismus
GehörtWenn über den Kapitalismus geredet wird, wird nicht selten die Frage gestellt, wer die eigentliche Macht hat: der Staat oder die Konzerne? Auch im Zuge der KI-Innovationen wird dies erneut thematisiert. Die Verwirrung ist groß: Die Trump-Administration ist weit davon entfernt, auf einen Laissez-Faire-Kapitalismus zu setzen. Stattdessen erleben wir, wie Washington sich immer stärker in die Wirtschaft einmischt und damit in den freien Markt eingreift. Besonders bei den KI-Unternehmen, speziell bei Anthropic, hat die Regierung ihre Macht ausgespielt und die Verbreitung von Modellen eingeschränkt oder gar untersagt. Zugleich warnt Antropic-Chef Dario Amodei selbst laufend, dass die KI zu einer Gefahr wird, die es zu kontrollieren gilt. Erleben wir gerade, wie manche Beobachter meinen, den Abschied vom Kapitalismus? Keineswegs, eher wird ein neuer Staatskapitalismus etabliert. Mehr dazu von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt in der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“! Literatur: Dario Amodei über KI und…
Der Irrtum von WIDERSETZEN, oder: Warum Aktivismus meistens scheitert...
GehörtIn Erfurt hielt die AfD ihren Parteitag ab. Pünktlich konnte dieser beginnen – trotz der Proteste und Blockaden. Die derzeitige Debatte über diesen Aktivismus läuft auf verschiedene Weisen in die Irre, in der Speakeasy-Bar fragen wir deshalb einmal strategisch: Wie sinnvoll ist ein derartiges aktivistisches Vorgehen? Unser Verdacht: Man genießt in Wahrheit die eigene Ohnmacht und hat außerdem ein höchst paradoxes Verhältnis zum Staat und seiner Verfassung. Nicht nur mit #ErfurtWidersetzen, sondern auch mit dem bürgerlichen Aktivismus einer Luisa Neubauer beschäftigen wir uns eine Stunde lang. Anschließend beantworten wir Fragen aus dem Publikum, etwa zum Staatsverständnis von Marxisten-Leninisten und des GegenStandpunkt. Den zweiten Schwerpunkt bildet dann das neue Buch des japanischen Theoretikers Kohei Saito: „Am Ende des Fortschritts. Überleben in den Ruinen des Kapitalismus“ plädiert für Planung und Sozialismus, setzt sich kritisch mit Ulrike Herrmann auseinander und malt in drastischen Worten die…
Ep. 361: Das Verarmungspaket der Regierung und die Feigheit der Gewerkschaften
GehörtDie Bundesregierung hat ihr Verarmungsprogramm vorgestellt, das Merz als "großen Sprung nach vorn" bezeichnet. Für die Arbeitnehmer in Deutschland gibt es keine nennenswerten Entlastungen, sondern ausschließlich Zumutungen. Minijobs werden bald stärker besteuert , es muss länger gearbeitet werden, Krankschreibungen werden erschwert und Konsumsteuererhöhungen sind geplant. Es steigen die Rüstungsausgaben um 100 Milliarden Euro, sonst ist aber kein Geld vorhanden. Die Behauptung aus linksliberalen Kreisen, es gehe doch beides zusammen – Aufrüstung und Sozialstaat –, entpuppt sich endgültig als die Illusion derer, die bei Bluesky oder den Jusos sind. Besonders erschreckend ist, wie Yasmin Fahimi, die Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes, auf die Reformen reagiert – nämlich „konstruktiv“. Die Gewerkschaftsspitze weiß offenbar nicht, dass sie die Interessen der arbeitenden Klasse vertreten soll. In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ sprechen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über die furchtbaren…
Spezial #35: Warum die Rüstungsausgaben fatal sind – mit Philipp Heimberger
GehörtWas, wenn sich die EU und ihre Mitgliedstaaten stärker verschulden würden, um Investitionen zu tätigen? Mit dieser Frage und ihren diversen Implikationen beschäftigt sich der Ökonom Philipp Heimberger vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche. Im Gespräch mit Wolfgang geht es um Heimbergers neue Studien, die zeigen, dass eine Haushaltskonsolidierung im Umfang von einem Prozent des BIP deutliche negative wirtschaftliche Folgen hat. So wird die Wirtschaftsleistung in den Jahren nach dem Sparprogramm spürbar abnehmen, während die Arbeitslosigkeit steigt. Gleichzeitig geht zwar die Inflation zurück, was jedoch auf eine schwächere gesamtwirtschaftliche Nachfrage hindeutet. Zudem nimmt die Einkommensungleichheit zu. Anhand von Daten aus verschiedenen EU-Ländern kann man zudem sehen, dass die politische Instabilität wächst und selbst die Schuldenquote nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, sinkt. Heimberger zeigt im Gespräch die Möglichkeiten einer klugen Industriepolitik auf und kritisiert die…
Ep. 360: "Durch Deutschland muss ein Ruck gehen!" – warum Demokratie starke Führer braucht...
Gehört1997 kam Deutschlands Elite im legendären Hotel Adlon in Berlin zusammen, Bundespräsident Roman Herzog hatte angekündigt, eine Rede über die Zustände in Deutschland zu halten. Eine Forderung wurde zum geflügelten Wort und darf seitdem in keinem Text fehlen, der nach Reformen schreit: „Es muss ein Ruck durch Deutschland gehen.“ Klingt erst einmal gut, aber was heißt das eigentlich? Der Ruck, den Herzog herbeiredete, war nichts anderes als neoliberale Reformen, die er all jenen aufbürden wollte, die für gewöhnlich nicht im Adlon residieren. Hört man heute Lars Klingbeils Rede zu Reformen in Deutschland, schlägt man die Wirtschaftsteile irgendwelcher bürgerlicher Zeitungen auf, lauscht man den besorgten Kommentaren im Fernsehen, erkennt man immer wieder deutliche Parallelen zur Ruck-Rede. Interessanterweise geht es nicht nur um neoliberale Reformen, sondern Herzog setzt zudem auf starke Führung und jammert darüber, dass widerstreitende Interessen vertreten werden, wo es doch ums große Ganze, also um Deutschland…
SEROTONIN: Michel Houellebecqs düsterster Roman
GehörtNach „Plattform“ und „Vernichten“ sprechen wir bei WfA-Literatur erneut über einen Roman von Michel Houellebecq: „Serotonin“ erschien 2019 zeitgleich zu den Protesten der Gelbwesten. In dem Roman werden es Landwirte sein, die zum bewaffneten Kampf übergehen, weil sie sich nicht der grenzenlosen Freihandelspolitik, durch die die Milchpreise immer weiter sinken, ergeben wollen. Der Ich-Erzähler ist ein Mitarbeiter des Landwirtschaftsministeriums, der jedoch die globalen, für die französischen Bauern schädlichen Entwicklungen nicht aufhalten konnte. Houellebecqs Text stammt aus einer Zeit, als Protektionismus noch völlig verpönt war. Der schwer depressive Protagonist kündigt seinen Job, verlässt seine japanische Lebensgefährtin und fährt mit der Mercedes G-Klasse durch ein abgewirtschaftetes Land. Nur ein starkes Antidepressivum bringt ihn durch gleichförmige Tage, an denen auch die Lust keine Rolle spielt – nur Erinnerungen einiger Augenblicke des Glücks flackern auf. „Serotonin“ ist ein düsteres Porträt einer…
Ep. 359: Die Wegzugsteuer – Enteignung durch die Hintertür?
GehörtGeht es um Steuererhöhungen für Unternehmen und Reiche, wird von konservativer und liberaler Seite gern betont, dass das Kapital ein scheues Reh sei. Der Spielraum für höhere Steuern sei gering, da das Kapital jederzeit das Land verlassen kann. Übersehen wird dabei jedoch die Wegzugsteuer, die Vermögende zahlen müssen, wenn sie das Land dauerhaft verlassen. Dadurch vergrößern sich die Möglichkeiten für effektive Steuererhöhungen, dennoch gibt es Grenzen, wie sich zeigen wird. Zunächst einmal muss geklärt werden, wann diese Besteuerung von Steuerflüchtlingen eigentlich in Deutschland aufkam und zu welchem Zweck. Und wie ist der Satz aus dem Grundgesetz, wonach Eigentum verpflichtet, zu deuten? In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ sprechen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über die Wegzugsteuer. Literatur/Quellen: Marc Buggeln: Das Versprechen der Gleichheit. Steuern und soziale Ungleichheit in Deutschland von 1871 bis heute, Suhrkamp. Bundesregierung: Außensteuergesetz (Gesetzentwurf der…
Was Mearsheimer & Co. an US-Kriegen stört – Speakeasy #33
GehörtIn der neuen Speakeasy-Bar setzen wir zwei Schwerpunkte: In der ersten Stunde sprechen wir über den linken Populismus, und zwar anhand eines Gesprächs zwischen Chantal Mouffe und Wolfgang Streeck, das bereits vor fünf Jahren erschienen ist, aber dennoch vor wenigen Tagen viral ging. Im Meme-Zeitalter reicht dazu oft nur ein Clip. Dies ist ein guter Anlass, auf diese Debatte erneut zu blicken und die verschiedenen Ansätze zu diskutieren. Was, wenn die Neoliberalismuskritik von links einen wichtigen Akteur übersehen hat? Die zweite Stunde der Speakeasy-Bar beschäftigt sich mit Geopolitik: In Kanada debattierten kürzlich Realisten wie John Mearsheimer mit republikanischen Falken über die richtige Außenpolitik und die Rolle der USA. Selten hat man so klar das imperialistische Gehabe ausgestellt gesehen. Während die amerikanischen Falken (und sie unterscheiden sich gar nicht so sehr von ihren europäischen Kollegen) glauben, Monster jagen zu müssen, bezweifeln Realisten, dass es überhaupt Monster gibt, stattdessen…
Ep. 358: Wie Zahlungsanbieter die Meinungsfreiheit einschränken!
GehörtWir alle sind von ihnen abhängig: Zahlungsdienstleister wie PayPal oder AliPay, Kreditkartenanbieter wie Visa, Amex oder Mastercard und natürlich Banken, die unsere Girokonten verwalten. Diese Akteure haben eine enorme Macht, das bekommt man besonders dann zu spüren, wenn sie einem den Zugang zu Konten oder Dienstleistungen sperren. Diese Form der finanziellen und privaten Zensur kann Organisationen und Personen treffen. Von Zensur sollte man deshalb sprechen, weil diese finanzielle Infrastruktur existenziell ist, um am modernen Leben teilzunehmen und weil Staaten häufig ein Interesse an diesen Sanktionen haben. Der Fall Wikileaks ist nur ein Beispiel. In den USA zeigt sich, wie der Staat immer wieder über die Payment-Services, also über einen Umweg, zensieren kann, wo eigentlich die Verfassung die freie Rede schützt. Da wir in Europa sehr von den amerikanischen Anbietern abhängig sind, betrifft uns dieses Thema gleichermaßen. Aktivisten, Journalisten oder auch die Produzenten von Erwachseneninhalten sind…
Wie Wolfgang Streeck und Chantal Mouffe zum Meme geworden sind! – Speakeasy 33
GehörtIn der neuen Speakeasy-Bar setzen wir zwei Schwerpunkte: In der ersten Stunde sprechen wir über den linken Populismus, und zwar anhand eines Gesprächs zwischen Chantal Mouffe und Wolfgang Streeck, das bereits vor fünf Jahren erschienen ist, aber dennoch vor wenigen Tagen viral ging. Im Meme-Zeitalter reicht dazu oft nur ein Clip. Dies ist ein guter Anlass, auf diese Debatte erneut zu blicken und die verschiedenen Ansätze zu diskutieren. Was, wenn die Neoliberalismuskritik von links einen wichtigen Akteur übersehen hat? Die zweite Stunde der Speakeasy-Bar beschäftigt sich mit Geopolitik: In Kanada debattierten kürzlich Realisten wie John Mearsheimer mit republikanischen Falken über die richtige Außenpolitik und die Rolle der USA. Selten hat man so klar das imperialistische Gehabe ausgestellt gesehen. Während die amerikanischen Falken (und sie unterscheiden sich gar nicht so sehr von ihren europäischen Kollegen) glauben, Monster jagen zu müssen, bezweifeln Realisten, dass es überhaupt Monster gibt, stattdessen…
Wolfgang und Maxim K.I.Z sprechen über AMERICAN PSYCHO!
GehörtAus der Reihe: Meisterwerke der Literatur und was sie uns lehren Wolfgang M. Schmitt im Gespräch mit Maxim K.I.Z. über »American Psycho« von Bret Easton Ellis © Eine Veranstaltung des Literaturforums im Brecht-Haus Website: https://lfbrecht.de/ YouTube-Kanal: https://www.youtube.com/@lfbrecht
Ep. 357: Wie Apple (aus Versehen) die Weltmacht China schuf
GehörtWer den Aufstieg Chinas verstehen will, muss über die Erfolgsgeschichte von Apple sprechen. Vor 1998 sah es nicht danach aus, als könnte Steve Jobs noch große Taten vollbringen. Apple schwächelte, bis Jobs den iMac vorstellte, der, so erklärte der exzentrische Unternehmer, im Gegensatz zu den anderen Computern nicht hässlich war. Der iMac war zugleich der Startschuss für die Zusammenarbeit mit Fabriken in China. Diese wurde im Laufe der Zeit immer weiter ausgebaut, vor allem der Konzern Foxconn, der in Taiwan ansässig ist, aber hauptsächlich in China produzierte, spielte dabei die maßgebliche Rolle. Als die Kooperation mit Apple begann, hatte das Unternehmen von Terry Gou 20.000 Mitarbeiter, innerhalb weniger Jahre waren es 800.000. Auf diese indirekte Weise bildete Apple Millionen Chinesen aus und brachte Know-How ins Land. Irgendwann konnten chinesische Firmen mit diesem perfekt ausgebildeten Personal Apple und anderen US-Konzernen Konkurrenz machen. Was aus einer betriebswirtschaftlichen Logik für Apple…
Wir gehen auf Tour: Schlager für Alle!
GehörtWohlstand für Alle“ rief Ludwig Erhard, der Vater der Sozialen Marktwirtschaft, aus. Ole und Wolfgang fordern: Schlager für Alle! Die Wirtschaftsgeschichte der Bundrepublik lässt sich wunderbar anhand von Schlagern erzählen, sie sind Spiegel des jeweiligen Zeitgeistes sowie ökonomischer Krisen und Reformen. So klagen die Bürger 1949 passend zur Inflation: „Wer soll das bezahlen?“, wohingegen sie 1960 dank des Wirtschaftswunders wissen: „Gehen Sie mit der Konjunktur!“ Die 1968er lösen tiefen Unmut bei Freddy Quinn aus, während Udo Jürgens beinahe zum Revolutionär wird. In einem abendfüllenden Programm erklären und besingen Ole und Wolfgang das "Wirtschaftswunder" anhand von Schlagern. 25.06. Hamburg: https://tickets.centralkomitee.de/product/95403/wolfgang-m-schmitt-ole-nymoen-centralkomitee-hamburg-am-25-06-2026 05.07. Düsseldorf: https://zakk.de/event-detail?event=16010 15.08. Berlin: https://d2mberlin.de/veranstaltung/schlagerfueralle/ 30.10. Frankfurt: https://diekaes.ditix.shop/event/n1xk0eq2dyksnve3
Ep. 356: Stalin und die Kollektivierung der Landwirtschaft
GehörtWie ist die Zwangskollektivierung, die Josef Stalin Anfang der 1930er-Jahre durchführen ließ, ökonomisch zu bewerten? Zunächst ist festzuhalten, dass es sich nicht nur um ein wirtschaftliches Programm handelte. Gewiss, man wollte die Produktivität der Agrarwirtschaft erhöhen und dadurch genügend freie Arbeitskräfte gewinnen, die in der neuen Industrie arbeiten konnten. Zugleich verfolgte die Kollektivierung ideologische Ziele: Die Einführung des Sozialismus bedeutete den radikalen Bruch mit der Eigentumsordnung des Zarenreichs, weshalb man sich mit den Großbauern anlegen musste. Auf Geheiß von Stalin wurde die Kollektivierung temporeich und gewaltsam vorangetrieben. Auch wenn Stalin bald in einem Artikel in der „Prawda“ zurückruderte und so tat, als habe er diese gewaltvollen Aktionen nie gewollt, war völlig klar, worauf seine Anweisungen hinauslaufen würden. Ökonomisch betrachtet, ebneten die brutalen Maßnahmen den Weg zu einer erstaunlichen Industrialisierung. Wäre es aber auch anders und zwar mit weniger…
Literatur #65: Tomer Gardi – Liefern
GehörtWeltumspannende Literatur verfasst der israelische Schriftsteller Tomer Gardi mit seinem Roman „Liefern“. Im Mittelpunkt stehen Rider auf E-Bikes, die in New Delhi, Berlin und Tel Aviv Essen, Getränke und Einkäufe zu denen bringen, die auf einer Liefer-App bestellt haben. Die Arbeit dieser Rider findet zum großen Teil im Verborgenen statt, Gardi nimmt einen literarisch clever konstruierten Perspektivwechsel vor, der uns mit einem globalen Proletariat konfrontiert, das sich nicht solidarisch verbinden kann, sondern untereinander im Konkurrenzkampf steht; das auf Kunden trifft, die sich den niedrigsten Preis bei höchstem Tempo wünschen und die heillos dem Algorithmus der Plattformen und den Bewertungen der Kunden ausgeliefert sind. Die digitale Verfügbarkeit kontrastiert Gardi mit radikaler Abhängigkeit: Der Roman findet eine Sprache und eine Erzählweise, um diesen fundamentalen Souveränitätsverlust packend zu beschreiben. In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ diskutieren wir über diesen…
Ep. 355: Die Sowjetunion – ein ökonomischer Erfolg?
GehörtAls die Sowjetunion 1991 aufgelöst wurde, war die Bilanz rasch gezogen: Ein wirtschaftliches Fiasko nahm sein Ende. Gewiss, im Vergleich zu Bürgern in Deutschland oder den USA waren die Menschen in der Sowjetunion bedeutend ärmer. Jedoch hilft einem dieser direkte Vergleich nicht weiter, viel wichtiger ist es, in Relationen zu denken. Vergleicht man die Entwicklungen anderer Länder und erkennt man, dass die globale Ungleichheit zwischen den Ländern während des 20. Jahrhunderts stark gestiegen ist, schneidet das realsozialistische Experiment gar nicht so schlecht ab. Die Sowjet-Wirtschaft startete auf einem viel niedrigeren Niveau als die Ökonomien des Westens, konnte aber gleich schnell wachsen. In der neuen Folge von “Wohlstand für Alle” sprechen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über einen unkonventionellen Historiker und dessen Blick auf die Dinge. Literatur: Robert C. Allen: Farm to Factory. A Reinterpretation of the Soviet Industrial Revolution, Princeton University Press. Unsere Zusatzinhalte könnt…
Wie Philip Manow den Populismus erklärt
GehörtIn der neuen Speakeasy-Bar diskutieren wir zunächst über den neuesten Streich von Wolfram Weimer. Dieses Mal will der Kulturkampfminister Inhalte bei YouTube regulieren – natürlich ganz staatsfern und ohne den Eindruck von Zensur zu erwecken. In einem Zeitungsbeitrag fordert er, YouTube von den Landesmedienanstalten beaufsichtigen zu lassen; zugleich möchte er den privaten Medienhäusern ein Geschenk machen. Das zweite große Thema ist das neue Buch des Politikwissenschaftlers Philip Manow. In „Spaltungslinien“ erklärt er, warum auf EU-Ebene das alte Rechts/Links-Schema nicht mehr greift und damit eine neue Konfliktlinie ausgemacht werden muss zwischen jenen, die für die EU sind und damit die ökonomische wie gesellschaftliche Liberalisierung mittragen, und jenen, die gegen die EU sind, aber sich aufspalten in zwei Lager – eines auf der rechten, eines auf der linken Seite. Manow provoziert zudem mit der These, dass die rechten Parteien Europas sich ökonomisch nach links bewegen. Des Weiteren sprechen wir über…
Ep. 354: Sollten Linken-Politiker ihr Gehalt deckeln?
GehörtVerdienen Bundestagsabgeordnete der Partei die Linke zu viel, um weiterhin die Sache der Arbeiter zu vertreten? Die Linken streiten derzeit intern über einen Gehaltsdeckel für alle Abgeordneten der Partei, der in etwa vorsehen soll, dass die Diät auf knapp 3000 Euro netto bzw. 5500 Euro brutto begrenzt wird. Die Kostenpauschale in Höhe von 5500 Euro soll dabei aber mutmaßlich unangetastet bleiben. Zusätzlich sollen Abgeordnete pro Kind oder zu pflegendem Angehörigen 350 Euro pro Monat erhalten. In anderen europäischen Länder haben sozialistische Parteien lange schon solche Limitierungen der Gehälter. Bei der Bevölkerung gibt es ohnehin mehrheitlich die Ansicht, dass Politiker zu viel verdienen. Linke könnten hier mit gutem Beispiel vorangehen. Was aber würde das bedeutet? Leidet darunter eine Professionalisierung der Politik? Wird damit verhindert, dass Politiker die Interessen der Arbeiter verraten? Das kann durchaus bezweifelt werden. Wer sich dem Establishment anpasst, tut das nicht unbedingt wegen des…
Speakeasy #32: Wie Wolfram Weimer die Pressevielfalt "sichern" will
GehörtIn der neuen Speakeasy-Bar diskutieren wir zunächst über den neuesten Streich von Wolfram Weimer. Dieses Mal will der Kulturkampfminister Inhalte bei YouTube regulieren – natürlich ganz staatsfern und ohne den Eindruck von Zensur zu erwecken. In einem Zeitungsbeitrag fordert er, YouTube von den Landesmedienanstalten beaufsichtigen zu lassen; zugleich möchte er den privaten Medienhäusern ein Geschenk machen. Das zweite große Thema ist das neue Buch des Politikwissenschaftlers Philip Manow. In „Spaltungslinien“ erklärt er, warum auf EU-Ebene das alte Rechts/Links-Schema nicht mehr greift und damit eine neue Konfliktlinie ausgemacht werden muss zwischen jenen, die für die EU sind und damit die ökonomische wie gesellschaftliche Liberalisierung mittragen, und jenen, die gegen die EU sind, aber sich aufspalten in zwei Lager – eines auf der rechten, eines auf der linken Seite. Manow provoziert zudem mit der These, dass die rechten Parteien Europas sich ökonomisch nach links bewegen. Des Weiteren sprechen wir über…
Ep. 353: Die EU – zu groß, um demokratisch zu sein?
GehörtIst die EU einfach zu groß, um demokratisch sein zu können? Diese Frage stellt sich der Politikwissenschaftler Dirk Jörke in seinem Buch „Die Größe der Demokratie“. Die Sozialdemokratie und der Nationalstaat, so lautet eine seiner Thesen, gehören zusammen, während supranationale Strukturen eine solche Politik geradezu verunmöglichen. Zudem müsse man erkennen, dass Liberalismus und Demokratie keineswegs zusammengehen müssen, ja, in entscheidenden Bereichen widersprechen sie sich. Der Liberalismus will eigentlich weniger Demokratie wagen. Gegenwärtig wird häufig über die Vor- und Nachtteile von liberalen Demokratien mit ihren Institutionen, die sich vor dem Wählerwillen abdichten, diskutiert. Manche sprechen sogar schon von einem Postliberalismus, in dem auch die elektorale Demokratie zu neuem Glanz gelangt. In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ diskutieren Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über den Nationalstaat und eine sozialdemokratische Wirtschafts- und Sozialpolitik. Literatur: Dirk Jörke: Die…
Das Ende des freien Internets? Spezial mit Gavin Karlmeier
GehörtIm neuen „Wohlstand für Alle“-Spezial ist der Podcast und Social-Media-Experte Gavin Karlmeier zu Gast. In seinem Podcast „Haken dran – das Social Media Update der c’t“ klärt er über die neuesten Entwicklungen bei TikTok, Meta, X und Co auf. Wolfgang spricht mit ihm über die geplanten Social-Media-Verbote für Jugendliche und Kinder und warum diese sowohl nicht sinnvoll als auch schwierig umzusetzen sind. Jüngstes Beispiel: Eine ID-App der EU, die man bald veröffentlichen wollte, konnte schon nach zwei Minuten gehackt werden. Weiter geht es um die Bestrebung in den USA, die sowohl von Republikanern als auch von Demokraten vorangetrieben wird, die Section 230 abzuschaffen, womit Social-Media-Plattformen ein wichtiges Privileg verlieren würden. Weltweit ist zu erleben, wie Politiker aller Couleur das Internet regulieren wollen – oftmals ist der Jugendschutz nur ein Vorwand. Manche EU-Politiker haben sogar die VPNs ins Visier genommen. Insgesamt 70 Minuten sprechen Gavin Karlmeier und Wolfgang über die aktuellen…
Ep. 352: Verhindern Patente technischen Fortschritt?
GehörtDie bürgerliche Eigentumsordnung schützt nicht nur physisches, sondern auch geistiges Eigentum. Vor allem Wirtschaftsliberale machen sich heute für Patente stark, doch das war keineswegs immer so. Die Idee des geistigen Eigentums kam im Europa des 16. und 17. Jahrhunderts auf, aber erst im 19. Jahrhundert wurde das Patentrecht immer einheitlicher auf nationalstaatlicher Ebene durchgesetzt. Jedoch passierte dies keineswegs in allen Staaten – in der Schweiz etwa scheiterten mehrere Anläufe. Damals waren gerade wirtschaftsliberale Stimmen laut zu vernehmen, die vor dem Patentrecht warnten, da dieses nichts anderes als Monopole absichere. Diese jedoch, so die Argumentation, bremsen den allgemeinen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt und dienen lediglich den Partikularinteressen der Erfinder Schaut man sich die liberale Argumentation des 19. Jahrhunderts an, muss man feststellen: Nur noch linke Kapitalismuskritiker trauen sich heute so weit zu gehen. Mehr dazu von Ole Nymoen und Wolfgang M.…
Ep. 351: Spanien – ist Pedro Sánchez eine Hoffnung für Europa?
GehörtDie Sozialdemokraten haben schon bessere Tage gesehen, dies ist nicht allein eine deutsche Entwicklung. In Spanien jedoch bildet sich ein Gegentrend ab: Der sozialdemokratische Ministerpräsident Spaniens kann einige Erfolge vorweisen. Pedro Sánchez ist nun auch über seine Landesgrenzen hinaus in aller Munde, denn er bietet mutig den USA und Israel die Stirn. Er verurteilt den mörderischen Krieg in Gaza ebenso wie den völkerrechtswidrigen Angriff auf den Iran. Donald Trump wütet, aber es wird schwierig werden, Spanien mit Zöllen zu belegen, ohne dabei die gesamte EU zu treffen. Blickt man auf Sánchez' Innenpolitik, dann zeigt sich außerdem, dass eine sozialdemokratische Sozial- und Industriepolitik funktionieren kann: Spanien hatte im vergangenen Jahr ein gigantisches Wirtschaftswachstum. Zudem baut das Land die erneuerbaren Energien stark aus – nicht zuletzt durch eine Kooperation mit China. Und sogar bei der Migrationspolitik stellt sich Sánchez gegen den allgemeinen Kurs in der EU: Kürzlich hat er per…
La Bella Vita: Wie Sibylle Berg den Kapitalismus beerdigt...
GehörtIn ihrem neuen Roman verspricht Sibylle Berg allen das schöne Leben. Das überrascht, mutet das Werk der Autorin doch in der Regel eher dystopisch an. „PNR: La Bella Vita“ heißt Bergs neuer Roman, in dem der Kapitalismus besiegt ist und in Europa eine neue Gesellschaft entsteht, die sich selbst eine anarchistische Verfassung gibt. Ein paar Nerds bringen die Revolution auf den Weg, aber wie weitermachen? Was geschieht am Tag danach? Wenn die kapitalistische Ausbeutung Geschichte ist, wenn Staaten ihre Bürger nicht mehr überwachen und die Meinungsfreiheit einschränken, erwachsen daraus nicht automatisch Freiheit und Glückseligkeit. Stattdessen muss mühsam eine neue Welt aufgebaut werden, in der der Mensch endlich freier und glücklicher wird. Aber das ist ein Prozess. Probleme gibt es dann noch immer – und auch der Tod ist nicht verschwunden. Wer über Jahrzehnte jedoch vom alten System zugerichtet wurde, wird es nicht leicht haben, die neue Unordnung zu akzeptieren und sich das Schöne vorzustellen. In der neuen…
Ep. 350: Wieso Schwarzfahren nicht entkriminalisiert wird
GehörtWer in Deutschland ohne gültiges Ticket ÖPNV fährt, kann bei wiederholtem Vergehen mit drakonischen Strafen rechnen. Nun wurde im Bundestag auf Vorlage der Grünen und der Linken darüber diskutiert, ob der Paragraf 265a des Strafgesetzbuches (StGB) gestrichen werden sollte, der das „Erschleichen von Leistungen“ und damit das sogenannte „Schwarzfahren“ unter Strafe stellt. Handelt es sich nicht eher um eine Ordnungswidrigkeit? 7000 Menschen sitzen jährlich im Gefängnis, weil ihnen das Geld fehlt, die Strafe zu zahlen. Das kostet den Staat Millionen, doch der Nutzen scheint gering zu sein. Selbst eher konservative Richter halten das Gesetz für reformbedürftig. Konservative und rechte Politiker hingegen sehen die bürgerliche Eigentumsordnung bedroht, wenn das unerlaubte Fahren im ÖPNV nur noch als Ordnungswidrigkeit behandelt wird. Die AfD warnt sogar vor dem Sozialismus. Interessanterweise tritt in dieser absurd anmutenden Argumentation deutlich hervor, warum das Gesetz überhaupt so hart mit Schwarzfahrern ins…
Das Problem mit der Losdemokratie
GehörtIn der neuen Speakeasy-Bar geht es dieses Mal schwerpunktmäßig über den Vorschlag, die Demokratie mit Losverfahren zu organisieren. Angefangen bei ausgelosten Bürgerräten, weitergeführt durch Parlamente, die nach Losverfahren besetzt sind, bis hin zu gelosten Gremien mit Vetorecht– die Ideen sind vielfältig, mit denen die Mängel der Repräsentativen Demokratie behoben werden sollen. Legitimität und Effizienz stehen im Vordergrund, erklärt der Politologe David van Reybrouck in seinem breit rezipierten Buch „Gegen Wahlen. Warum Abstimmen nicht demokratisch ist“. Inzwischen gibt es in Deutschland sogar eine Partei, die solche Ziele umsetzen will. Wir diskutieren, ob es sich dabei um ein linkes Projekt handelt und welche Fehlannahmen über die Demokratie dem Konzept zugrunde liegen. Darüber hinaus sprechen wir über den linken Twitch-Streamer und YouTuber Hasan Piker, dessen Bedeutung so stark gewachsen ist, dass selbst NYT-Journalist Ezra Klein plötzlich für mehr Dialog plädiert. Außerdem geht es um Preise und…
Ep. 349: Deutschlands nächste Wirtschaftskrise
GehörtDie führenden Wirtschaftsinstitute in Deutschland haben im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums eine Gemeinschaftsdiagnose für die deutsche Volkswirtschaft veröffentlicht. Es sieht düster aus. Eigentlich sollte es mehr als 1 Prozent Wirtschaftswachstum in diesem Jahr geben, jetzt rudern die Wirtschaftsexperten angesichts des Irankrieges zurück. Die 80-seitige Diagnose ist mutmaßlich immer noch zu optimistisch, denn vorausgesetzt wird, dass der Krieg im Iran bald endet und die Straße von Hormus wieder problemlos befahrbar ist. Darüber hinaus offenbart das Papier jedoch erstaunliche Erkenntnisse: Nicht die Exporte, sondern eine stärkere Binnennachfrage sorgte für ein zuletzt besseres Wirtschaftsklima. Zudem zeigt sich, dass nicht nur staatliche Investitionen, sondern auch konsumtive Ausgaben des Staates positive Effekte hatten. Das neoliberale Paradigma müsste eigentlich wackeln, tut es aber nicht. In der neuen Folge von „Wohlstand für Alle“ sprechen Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über die…
Spezial #33: Die Grenzen der „antifaschistischen Wirtschaftspolitik“ – erklärt von Sabine Nuss
GehörtDer globale Rechtsruck schreitet voran, aber progressive Ökonomen betonen, dass man dagegen etwas tun kann: Benötigt werde eine „antifaschistische Wirtschaftspolitik“. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Isabella Weber hat diesen Begriff geprägt, als Donald Trump zum zweiten Mal zum US-Präsidenten gewählt wurde. Seitdem findet das Projekt in linken Parteien und in der Zivilgeseallschaft viel Zustimmung, doch es gibt auch Widerspruch von jenen, die sich auf Marx beziehen. Die Marx-Expertin Sabine Nuss hat nun ein Buch mit dem Titel „Der verdrängte Kapitalismus“ vorgelegt, in dem sie sich kritisch mit den Vorschlägen der „antifaschistischen Wirtschaftspolitik“ auseinandersetzt. Vermögens- und Erbschaftsteuer, Preiskontrollen und Steuern auf Übergewinne, grüne Industriepolitik und Investitionen in Bildung – wer kann da schon widersprechen? Sabine Nuss findet diese Vorschläge durchaus sinnvoll, aber die Grenzen der Umsetzung seien viel enger, als manche wahrhaben wollen; zudem wird die Ungleichheit damit nicht an…